4. Februar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.267
„Game Changer“. „Internet Revolution“. „Lebensveränderer“.
Von Langfahrtseglern (und Campern) bekommt Starlink viele ehrfürchtige Bezeichnungen.
Wir haben seit neun Monaten Starlink im Einsatz. Neun Monate ohne Sim-Karten, ohne WLAN-Suche, ohne Gigabyte-Panik. Die Technik hat unser Leben an Bord verändert – mehr als erwartet.
Die Hardware
Wir haben uns für Starlink „Mini“ entschieden.
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Der eingebaute Router hat den Vorteil: keine Kabel, kein zusätzlicher Kasten. Unser hat allerdings eine kleine Macke. Gelegentlich schaltet er einfach ab und kippt uns aus dem Internet. An- und Ausschalten hilft. Manchmal braucht es drei Versuche. Der Eindruck verdichtet sich, dass es vermehrt auftritt, wenn andere Starlink-Antennen in der Nähe sind.
Wer hat ebenfalls eine Mini und kennt dieses Phänomen? Oder haben wir einen echten Montags-Starlink an Bord?
Die Installation
Auf den meisten Booten bekommt der Starlink eine Installation am Heck. Auf mehr oder weniger eleganten Trägern ragt dann das Ofenblech in den Himmel. Durch unser Mittelcockpit ist der Weg zum Heck lang und verbaut. Ein Plätzchen hätten wir am Heckträger wohl noch gefunden, aber für die Stromversorgung wären einige Baumaßnahmen erforderlich gewesen.

Installationsvarianten. Auf langer Stange, mehr als prominent, oder geschickt am Heckträger angebaut.
Daher hat Achim experementiert: Unsere Antenne steht im Cockpit auf einem der beiden Ablagefächer neben dem Niedergang. Verdeckt von Bimini, halb verdeckt von der Sprayhood. Je nach Segelkurs sind sogar noch Baum und Mast im Weg.

Unsere Mini steht im Cockpit auf einer Antirutsch-Matte. Das funktioniert auch auf See. Zusätzlich sichern wir sie am Aufstellfuß mit einem Bändsel.
Die Stromversorgung verschwindet in der Klappe und kommt direkt aus der Navigation über dem Niedergang. Schöne, kabellose Lösung.

Zum Verstauen hat Achim unter die Klappe eine Einschubvorrichtung geschraubt. Ganz simpel gehalten aus Holzleisten und einem Kunststoff-Schneidbrett.
Klappe zu – Starlink weg.
Eigentlich möchte die Mini freie Sicht zu ihrem Satelliten. Bei uns funktioniert die Verbindung trotz Abdeckung erstaunlich gut. Nur, wenn alles gegen uns steht, dann geht der Empfang tatsächlich in den Keller. Wer Starlink zum Arbeiten benötigt, wird diese Lösung vermutlich nicht lieben. Für uns als geplagte WLAN-Nutzer funktioniert es.
Die Mini hat keinen Motor und muss manuell zum Satelliten ausgerichtet werden. Nach jeder Wende und jedem Kurswechsel erneut. Da haben wir kurze Wege. Statt auf See ans Heck stolpern zu müssen, können wir bequem vom Cockpit die Antenne ausrichten.
Einen weiteren Haken hat diese Installation. Unsere Mini-Antenne fiept. Ich taube Nuss höre das Geräusch nur äußerst selten. Aber Achim ist schon mal etwas genervt davon.
Der Stromverbrauch
Der größte Vorteil für uns ist der niedrige Stromverbrauch. Zeitgleich mit dem Starlink ist eine Lithium-Batterie (für unsere kleine Verbraucherbank) an Bord gekommen. Solar und Wind bringen genug Strom rein, dass wir am Anker die Antenne Tag und Nacht durchlaufen lassen könn(t)en. Auf See haben wir durch die Navigation und Funk zusätzliche Verbraucher. Somit schalten wir beim Segeln den Starlink nur stundenweise ein.
Verträge und Kosten
An diesem Punkt muss gearbeitet werden. Transparenz wird von Elon klein geschrieben.
Das Internet ist voll mit Fragen zu Tarifen, Kündigungen und Laufzeiten. Je nachdem, wo man die Antenne kauft, gelten andere Tarife. An Land gelten andere Verträge als auf See. Ein Dschungel.
Wir haben unsere Antenne in Australien aktiviert. Um im Küstenbereich – bis zwölf Seemeilen – Starlink nutzen zu können, mussten wir den Tarif „Roaming unlimited“ wählen. Für 112 Euro (195 AUD) im Monat.
Nachteil: Außerhalb der 12-Meilen-Zone schalten „Roam-Tarife“ ab. Wir haben bei der Überfahrt nach Neukaledonien den „Ocean Modus“ dazu gebucht. Dieser Tarif wird nach Einheiten berechnet: 1,83 Euro pro verbrauchtem Gigabyte. Es soll Gebiete geben, da muss man komplette Ocean-Pakete kaufen. Gigabyte, die man auf See nicht verbraucht hat, verfallen. Bei uns wurde exakt abgerechnet. Angeblich haben wir während der zehntägigen Überfahrt 25 GB verbraucht. Das kommt uns realistisch vor.
Starlink in Neukaledonien
Bei der Ankunft in Neukaledonien haben wir den „Ocean“-Tarif gekündigt und laufen seitdem auf dem australischen „Roam“. Örtliche Sim-Karten sind grausam teuer. Fünfzig Euro im Monat für 25 GB. Da fiel die Entscheidung recht leicht, Starlink einfach durchlaufen zu lassen.
Sobald man länger als zwei Monate in einem neuen Land bleibt (Umzug von Australien nach Neukaledonien), erwartet Starlink, dass man seine Service-Adresse ändert. Macht man dies nicht, kann der Dienst unterbrochen werden.
Wir haben dies komplett ignoriert, denn Neukaledonien bietet gar keinen Starlink-Service an. Der Hauptakteur ist das OPT-NC, ein staatliches Unternehmen, das in Neukaledonien ein gesetzlich verankertes Monopol auf Telekommunikation unterhält. Und die OPT-Leute mögen Starlink gar nicht gerne, da ihre Einnahmen durch die US-Konkurrenz gefährdet werden.
Neue Antennen kann man in Neukaledonien nicht aktivieren. Unsere Liegenachbarn laufen auf Fiji, Neuseeland oder Australien.
Wir haben in den ersten Monaten immer damit gerechnet, dass uns der Starlink-Saft abgedreht wird. Aber nichts ist passiert. Der Dienst läuft tadellos durch.
Starlink respektiert in den meisten Fällen die nationalen Wünsche anderer Länder und verhängt ein „Geo-Fencing“. Klack, mit Überschreiten der 12-Meilen-Zone schaltet die Antenne ab. Südafrika ist so ein Beispiel.
Die Abkommen zwischen Neukaledonien und Starlink sind ausstehend. Elons Satelliten fliegen ungerührt über uns hinweg. Empfang jederzeit möglich.
Game Changer
Jawohl! Das darf man wohl behaupten. Wir können plötzlich streamen und brauchen nicht mehr die ewig alten Filme von Konserve zu sehen. Vorbei die Zeiten, in denen wir Gigabyte gezählt haben, um bis Ende des Monats auszukommen. Oder irgendwo vor einer Post gesessen haben, weil nur dort der Empfang möglich war. Auf See haben wir bessere Wetterinformationen. Ein echtes Sicherheitsplus.
Und die Kosten? Natürlich ist es teurer. Wir zahlen jetzt das Doppelte von dem, was wir vorher für Internet ausgegeben haben. Ist es perfekt? Nein!
Jeder Game Changer hat seinen Preis. ![]()










