Vanuatu ==> Australien – Tag 2

17.10.2026; Pazifik/Coral Sea; Tag 4.522; 30.376 sm total

In der zweiten Nacht schlafen wir schon etwas besser. Die Wellenhöhe ist zurück gegangen und passt jetzt besser zur Windstärke. Gleichmäßige Dünung im zwölf Sekunden Rhythmus wird allerdings noch gesucht. Mehr als 14 Knoten Wind sehen wir nicht.
Der Wind kommt wieder achterlicher. Wir haben auf die Genua mit kleinem Groß als Stütze zurück gewechselt. Vereinzelt ziehen Regenwolken ohne viel Wind vorbei.

Wir haben zwei Windanzeiger an den Wanten montiert. Einen für Starkwind aus schwerem T-Shirt-Stoff. Der rührt sich erst richtig bei über 15 Knoten. Der andere Windanzeiger besteht aus feinem Blusenstoff. Der zappelt schon bei einer leichten Briese. Hochpräzisionsmessgeräte!

Der Leichtwindmesser. Der hat auch schon mal einen Totalausfall, wenn er sich verheddert. Der könnte von Raymarine sein.

Viel geleistet wurde nicht. Wir liegen auf den Sofas und warten, dass uns Seebeine wachsen.

Tag 2
115 sm
993 sm Rest
Windstärke: 4
Wellen: schräg von hinten, deutlich flacher, wir rollen trotzdem.
Essen: Zweite Portion Kartoffelsalat, Krautsalat und kalte gebratene Hühnchenbrust.
Position: 16°06,15 S / 163°01,4 E

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Vanuatu ==> Australien – Tag 1

16.10.2026; Pazifik/Coral Sea; Tag 4.521; 30.261 sm total

Atanga, unser treues Mädchen, lässt es sich nicht nehmen, uns zwei Leckerbissen mit auf den Törn zu geben:

1. Komplettausfall der Windanzeige.
Bereits kurz nach unserer Ankunft in Vanuatu zeigten sich die ersten Ausfälle. Wie schon zwischen Neuseeland und Fiji war es ein langsames Sterben. Die neue Platine am alten Arm ist erst fünfzehn Monate in Betrieb gewesen. Grrr. Beste Grüße an dieser Stelle an Raymarine.

Wir segeln nun ohne Windanzeiger. Machbar, wenn auch bei Manövern etwas unpraktisch. Bei Böen kann es allerdings ganz schön sein, wenn man im Unklaren über die wahre Stärke gelassen wird.

2. Unser Kugelventil für die Toilette ist defekt.
Der kleine Stift im Inneren, der beim Bewegen vom Griff die Kugel dreht, ist abgebrochen. Die Öffnung ist auf ‚halb geöffnet‘ stehen geblieben. Bemerkt haben wir es, weil wir plötzlich weniger Wasser zum Spülen hochpumpen konnten. Die Toilette ist weiterhin nutzbar. Abpumpen funktioniert wie immer. „Nicht wie ein Pferd am Hebel pumpen“, lautet die neue Betriebsanleitung.
Das Ventil ist nun auch auf See dauergeöffnet. Natürlich segeln wir auf dem Bug auf dem sich die Toilette befindet. Ob die Kloschüssel bei ordentlich Schräglage überlaufen wird, bleibt abzuwarten. Bis jetzt ist alles okay.
Falls wir zu schräg segeln, wird Achim den Zulauf zur Toilette vom Ventil trennen, verstopfen und gespült wird dann mit köstlichem Trinkwasser.

Kugelventil

Bei bestem Wetter und achterlichem Wind legen wir von der Mooring ab. Wir motoren den Meerarm von Luganville Richtung offenen Ozean. Wir erwarten leichte Winde, wollen die Genua setzten. Da legt Atanga uns noch ein unerwünschtes Ei ins Nest.
Die Genua lässt sich nicht entrollen. Achim macht ein Fall im Masttop aus, was sich mit einer Wicklung um die Reffanlage geschlungen hat. Ihm steht wenig der Sinn nach einer Mastkletterei. Ein paar Wackelversuche, das Lösen vom Fall und Drehen der Anlage von Hand haben Erfolg. Die Genua entrollt sich wieder.

Fehlerdiagnose per Fernglas.

Einige Kaps und Inselchen können wir bereits segelnd umfahren. Dann sind wir auf Kurs. Es läuft gut. Noch sind wir im Windschatten von zwei Inseln. Glatte See.
Der Wind kommt zunehmend seitlicher. Zu seitlich für die ausgebaumte Genua. Sie flattert ärgerlich im Wind. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir setzten das Groß und die Fock. Der Baum für die Genua bleibt stehen. Den brauchen wir bestimmt noch. Mit Fock und Groß sind wir leider deutlich langsamer. Einen knappen Knoten. Okay, das ist nicht zu ändern.

Die Passage ist sowieso ein Ritt, möglichst gegen die Ankunft am nächsten Wochenende. ‚Overtime‘ heißt das Zauberwort. Sowieso schon hohe Einklarierungsgebühren werden bei Ankunft glatt verdoppelt. Bummeln oder Gas geben? Wie es scheint, hat die Windrichtung bereits früh entschieden.

Tag 1
132 sm
1.118 sm Rest
Windstärke: 4 bis 5 ohne Böen
Wellen: schräg von hinten, eigentlich zu hoch für den Wind, wir rollen ordentlich
Essen: Kartoffelsalat, Krautsalat und kalte gebratene Hühnchenbrust
Position: 15°53,2 S / 164°38.7 E

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Australien ruft

13.10.2026; Vanuatu/Espiritu Santo/Luganville; Tag 4.518; 30.129 sm total

Der Countdown für die Abfahrt läuft. Inzwischen sind wir wieder nach Luganville umgezogen. Die letzten Tage in der Bucht waren zum Niederknien. Das graue Wetter der letzten Wochen ist vorbei. Auch das Meer ist inzwischen deutlich wärmer geworden. Fast knacken wir die 27 Grad. Badewetter.

Palikulo Bay – wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören.

Wrackschwimmen.

Zwei fette Wracks liegen in der Bucht.

 

Morgen klarieren wir in Luganville aus und tauschen die letzten Vatu auf dem Markt gegen Obst. Dann muss nur noch das Dinghy an Deck und ich koche uns Essen vor für die ersten zwei Tage auf See.

Das Schiff ist fertig. Alles ist aufgeräumt und gewienert für die strenge Biosecurity in Australien. Das Unterwasserschiff ist frei von Bewuchs. Allerdings haben wir einen Gecko an Bord. Der ist bei den Behörden unerwünscht. Aber der Kerl zeigt sich nicht. Vor etlichen Wochen als Baby zu uns gekommen, ist er inzwischen gewachsen und hat das typische Schnalzen gelernt. „Tck! Tck! Tck!“. Hoffentlich hält er seinen Schnabel, wenn die Offiziellen an Bord sind. Außerdem haben wir auch wieder einen unserer sechsbeinigen „Freunde“ gesichtet. Kakerlaken stehen auf der Abschiebeliste in Australien ganz oben. Wir müssten sowohl Gecko als auch Kakerlaken als ‚blinde Passagiere‘ deklarieren. Hüstel.

Vanuatu lockt zum Wiederkommen. Trotz zwei Monaten durchwachsenen Wetters. Auch die Versorgung ist recht eintönig: Frühlingszwiebeln mit Huhn. Huhn mit Pak Choi. Das wird ein Fest in Cairns Supermärkten.
Wir wären so weit – Australien, wir kommen!

Der Abfahrtstag scheint egal, es kommt jeden Tag fast das Gleiche dabei raus: 9 Tage/1 Stunde; 9 Tage/4 Stunden; 9 Tage/8 Stunden. Auch Windrichtung und Stärke sind variantenarm. 1.250 Meilen in neun Tagen – Schenkelklopfer!
Wir wären glücklich, wenn diese Vorhersage stimmen würde.

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Vanuatu bewegt und in Farbe

 

05.10.2026; Vanuatu/Espiritu Santo/Palikulo Bay; Tag 4.510; 30.106 sm total

Fünf Monate Vanuatu liegen hinter uns – Abenteuer, neue Eindrücke und besondere Begegnungen. Unsere Zeit geht hier nun leider zu Ende, in zehn Tagen müssen wir ausreisen. Der perfekte Zeitpunkt für ein Vanuatu-Video.

Kommt noch einmal mit an Bord, es wird bunt!

 

Der Youtube-Link zeigt leider immer noch die Fehlermeldung. Der Link funktioniert aber tadellos. Einfach klicken.

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Schrott, Scherben und ein Millionengrab

26.09.2026; Vanuatu/Espiritu Santo/Palikulo Bay; Tag 4.501; 30.106 sm total

Wir haben unsere Visa-Verlängerungen! Erst hat uns das Online-System noch einen Schreck eingejagt. Ohne Vorwarnung bekamen wir eine Aufforderung, dass wir die Rücknahme unseres Antrags bestätigen sollen. Nö, wollen wir ja gar nicht. Wie kommen die darauf? Wir haben widersprochen, prompt sprang der Status auf ‚unter Bearbeitung‘ zurück und zehn Tage später kam die Verlängerung bis 15. Oktober.
Perfekt für uns; so haben wir uns das vorgestellt.

Da wir nicht wussten, ob wir noch einmal bei Immigration vorsprechen müssen, sind wir während der Wartezeit in der Palikulo Bay geblieben. Eine Strafe ist das nicht. Wir können viel spazieren gehen und da die Siedlungen ihren traditionellen Charakter verloren haben, meistens alleine. Keine Anmeldung beim Chief notwendig. Keine Horde Kinder im Schlepptau. Und es tummeln sich am Ankerplatz auch andere Segler, eine prima Gelegenheit für gemeinsame Sundowner.

Die Bucht hat viel erlebt. Während des Zweiten Weltkriegs waren in Luganville über 100.000 US-Soldaten stationiert. Zweitgrößter Stützpunkt nach Pearl Harbor. Wer hat‘s gewusst? Wir haben noch nie davon gehört. Ein Flugplatz für Bomber befand sich am Scheitel der Bucht. Die Straßen aus verdichtetem Korallenschutt existieren heute noch.

Palikulo Bay während des Zweiten Weltkriegs mit einem von drei Flughäfen. Heute liegt Atanga hier. [Foto-Quelle: Wikipedia]

Die alten Wege der Amerikaner. Erst dachten wir, es sei Beton. Stark verdichteter Korallenschutt bekommt eine ähnliche Härte.

Nicht weit von der Stelle, wo sich neulich der Schiffbrüchige an Land retten konnte, spielte sich eine völlig absurde Geschichte ab.
Nach dem Krieg verließen die Amerikaner ihren Stützpunkt auf der Insel. Die angehäufte Ausrüstung zurück in die USA zu transportieren, war zu teuer. Also boten sie diese den Franzosen und Engländern, die zu der Zeit Vanuatu gemeinsam verwalteten, zum Kauf an.
Der Preis soll deutlich unter dem tatsächlichen Wert gelegen haben. England und Frankreich lehnten einen Kauf schlichtweg ab. Sie pokerten. Aber ihr Kalkül, dass die Amerikaner einfach alles stehen lassen würden, ging nicht auf.

„Ihr wollt nicht bezahlen, gut, dann vernichten wir alles!“ Die Amerikaner sammelten sämtliche Gegenstände zusammen und schufen ein Millionen-Dollar-Grab. Bulldozer, LKWs, Planierraupen und Muldenkipper. Sogar Vorräte. Konserven, hunderte Kisten mit Cola. Leere und volle Treibstofffässer. Alles versenkten sie im Meer.
Aus den ersten ins Flachwasser geschobenen Gerätschaften entstand durch das ständige Überrollen eine Art Rampe. Auf dieser Metall-Rampe fuhren die nächsten Fahrzeuge immer weiter ins tiefere Wasser hinaus. Am Ende war eine hunderte Meter lange, künstliche Landzunge aus Militärschrott entstanden.
Um sicherzugehen, dass die Kolonialherren nach dem Abzug der US-Truppen nichts mehr nutzen konnten, gingen die Soldaten systematisch vor. Bei vielen Fahrzeugen wurden die Ölablassschrauben entfernt und die Motoren mit durchgedrücktem Gaspedal laufen gelassen, bis sie sich festfraßen. Mit Äxten wurden Reifen zerschnitten, Scheiben und Bedienelemente zerschlagen.

Koloniale Gier und Fehleinschätzung trafen auf Trotz.

Das Millionengrab gilt heute als außergewöhnlicher Tauch- und Schnorchelspot. Zwischen 1 und 40 Metern liegen die Überreste. Obwohl bereits üppig von Korallen bewachsen, soll die Metall-Rampe noch klar zu erkennen sein.

Wir gehen zu Fuß zum Million Dollar Point. Es gibt neben einer Tauchbasis ein bescheidenes Hotel am Strand. Durch den Eingang des Hotels gelangen wir ans Wasser. Man möchte sich die Hände vors Gesicht schlagen. Der steinige Strand ist übersät mit Scherben. Über die Jahre glatt geschliffen. Dazwischen Metallreste aller Art. Verrostete Motorblöcke sind auszumachen. Selbst mit Schuhen ist Vorsicht beim Laufen angeraten. Es ist weniger reizvoll, als die Werbung der Tauchbasis geklungen hat.

Million Dollar Point – heute der offizielle Name des Spots.

Überreste von den versenkten Gerätschaften. Trotz ausdrücklichen Verbots haben die Einheimischen noch einige Teile bergen können.

Der Strand ist nicht mehr als solcher zu erkennen. Von Scherben übersät.

 

Wir stapfen weiter am Strand entlang, als ein junger Mann uns anspricht. Hier herumzulaufen und sich umzusehen, kostet 1.000 Vatu (8,00 Euro) pro Person. Hm, eigentlich möchten wir ja erstmal in der Tauchbasis guten Tag sagen. Der junge Mann ist uns nicht gewogen: Zahlen oder umdrehen. Wir gehen durch das Hotelgelände zurück und finden weiter die Straße runter ein Schild. Es preist ein Restaurant, Massage und Beach-Aufenthalt an. Eintritt 1.000 Vatu.
Ob man die wieder bekommt, falls man etwas verzehrt? Werden sie beim Tauchen oder Schnorcheln angerechnet? Der junge Mann vom Strand taucht am Kassen-Häuschen auf. Er guckt grimmig. Wir lassen uns abschrecken, drehen um. Für einen Strand voller Scherben und Rost in einer Atmosphäre, in der wir uns als Störfaktor fühlen, ist uns der Aufwand zu schade.

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