Di.-Do., 05.+07.Mai 26, Neukaledonien/Nouméa, Tag 4.357-9
Sonntag geht es los. Wir verlassen Neukaledonien. Hübscher Südwind, vielleicht sogar mit einer Westkomponente, wird vorhergesagt.
Unser nächstes Ziel soll ‚Vanuatu‘ sein. Ein kleiner Inselstaat mit wenig Infrastruktur. Die Hauptstadt hat keine 60.000 Einwohner. Entsprechend groß ist meine Angst, dass wir dort verhungern werden.
Seit meiner Rückkehr schleppen wir täglich Vorräte aus dem Supermarkt. Das Schiff ist voll, wir haben gute Arbeit geleistet. Was noch fehlt, ist Vollkornmehl. Bislang sind wir im zwei Kilometer entfernten Bioladen gut bedient worden. Normale Supermärkte führen das nicht in ihrem Sortiment.

Neukaledonien ist ein Baguette-Königreich. Jeden Tag mögen wir es aber nicht essen.
Was anderes als Weißmehl soll her.
Pünktlich zur Mehlbeschaffung macht Achim schlapp. Irgendwas mit Magen-Darm plus Kopfschmerzen. Der Skipper muss das Schiff hüten. Alleine laufe ich zum Bioladen. Kein Mehl im Regal. Traurig schauen mich fünf Tüten – zweieinhalb Kilo – Dinkelkörner an. Hmm, nee, die möchte ich nicht. Vier Kilometer für nichts gelaufen.
Es gibt vier Bioläden in Nouméa, die man (also ich) gerade noch zu Fuß erreichen kann. Noch am gleichen Nachmittag mache ich mich auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Drei Kilometer einfache Strecke.
Auch dort leere Regale. Lieferung erst wieder Ende Mai, erzählt mir ein Mitarbeiter. Das deckt sich mit der Auskunft vom Vormittag und spricht dafür, dass Nouméa leer an Vollkornmehl sein dürfte. Sechs weitere Kilometer für die Katz.
Am nächsten Vormittag laufe ich erneut zum ersten Laden. Die Dinkelkörner möchte ich nun doch. Die Getreidemühle wird uns retten müssen. Vier Kilometer.
Am Nachmittag mache ich mich auf zur dritten Möglichkeit. Knapp vier Kilometer pro Strecke.
Ja, wir essen gerne Brot …
Nach gut zwei Kilometern habe ich die Möglichkeit einen kleinen Schlenker zu machen für einen Laden, den ich noch nicht kenne. Lohnt sich der Umweg oder gleich zum bekannten Geschäft durchstarten?
Ich riskiere es. Tschaka! Drei Beutel à fünf Kilo stehen im Regal. Feinstes Bio-Vollkornmehl, direkt aus Frankreich importiert. Ich möchte alle drei. Fünfzehn Kilo kann ich unmöglich schleppen. Zunächst kaufe ich einen Sack. Still ruht die Hoffnung in mir, dass Achim mich beim zweiten Gang begleiten kann. Nein, kann er nicht, das Scheißerle.
Ich mache mich erneut alleine auf den Weg. Diesmal nehme ich zwei Säcke. Der Verkäufer guckt zumindest mitleidig und hilft beim Reißverschluss zuziehen vom Rucksack.
Acht steile Bergauf-Bergab-Kilometer, diesmal von Erfolg gekrönt.
Da ich nicht wusste, dass ich einen Halbmarathon laufen muss, habe ich auch noch einen Friseurtermin vereinbart. Lächerliche drei Kilometer hin und zurück. Die kann ich aber gut mit einem letzten Besuch im Lieblings-Stoffladen verbinden.
Madame aus dem Salon spricht kein Englisch, wie ich beim Vereinbaren des Termins feststellen durfte. Ich bin vorbereitet: „Raccourcir la longueur totale de 8 à 10 centimètres. La frange doit garder sa longueur. – Gesamtlänge um 8 bis 10 Zentimeter kürzen. Der Pony soll seine Länge behalten.“
Einen Zettel mit diesen Instruktionen drücke ich der netten Friseurin in die Hand. Den Rest klären wir per Handzeichen. Sie macht das auch ganz gut. Ich will mich nicht beklagen. Nur der Teil mit dem Pony muss ihr durchgerutscht sein. Einmal mit Profis arbeiten. ![]()
Mindestens ein halbes Jahr Pony-Züchtung sind mit einem Schnipp Geschichte. Vergiss das mit sorgfältiger Planung, am Ende hat die französische Friseurin ihren eigenen Kopf.

Allgemein ist eine gute Länge runter gekommen. Gestern war der Pony noch fast doppelt so lang. Jetzt hält er nicht mehr hinterm Ohr. Eine lange Durststrecke liegt hinter mir, um ihn dahin zu züchten.
Sonntag geht es los. Heute haben wir bereits ausklariert, da morgen ein Feiertag in Nouméa ist. Plötzlich kann Achim auch wieder das Schiff verlassen. Schau an.

Ganz früh auf dem Weg zur Immigration. Frühstück gibt es unterwegs. Für den angeschlagenen Achim ein trockenes Baguette. Ich bekomme ein feistet Mandel-Croissant. Fett und lecker, bestimmt zwölfhundert Kalorien.
Immigration, Zoll und Hafenmeister. Alle mit viel Papierkram beschäftigt. Vom digitalen Zeitalter ist man noch Meilen entfernt. Das Hafenbüro hat ab 1. Mai dieses Jahres zaghaft eingeführt, dass man dort nicht mehr persönlich vorstellig werden soll. Mailverkehr wurde eingeführt. Das klappt noch nicht, da keiner wusste, wie es funktionieren soll, wenn am nächsten Tag ein Feiertag ansteht. Sechs Kilometer hin und zurück.
Zum Glück habe ich neue Turnschuhe in Deutschland gekauft.












































