26.10.2026; Pazifik / Coral Sea; Tag 4.531; 31.419 sm total
Am letzten Tag verlässt uns der Wind komplett. Die Segel schlagen nur noch schlapp hin und her. Wir bergen die beiden Spibäume und die Segel. Wir haben es nicht eilig. Wenn der Motor mit vernünftiger Drehzahl laufen soll, kommen wir zu früh in der Marina an. Die öffnen erst um 7:00 Uhr.
Also lassen uns also treiben. Das funktioniert mit 1,5 Knoten sogar in die richtige Richtung. Die Dünung ist fast verschwunden, aufrecht liegt Atanga im tiefen Ozeanblau.
Die Gelegenheit ist günstig, um schon mal klar Schiff zu machen. Das Cockpit zu entsalzen, aufzuräumen unter Deck und einmal feucht durchzuwischen. Sobald wir festgemacht haben, erwarten wir die Offiziellen. Ein ordentlicher Eindruck kann nicht schaden.
Damit das Schiff in dem Zustand bleibt, installiert Achim einige Seile über den Solarpanelen als Landeschikane. Heute Nacht wollen wir keine Scheißerle zu Besuch haben.
Wir werfen die Maschine an. Noch 80 Meilen sind es zu motoren. Die Nacht ist Mondhell und friedlich. Auf der Seekarte ist der Passeingang ins Große Barriere-Riff beeindruckend vollgezeichnet. Es gibt zwar kein echtes Verkehrstrennungsgebiet, aber doch vorgezeichnete Vorzugsrouten für Großschifffahrt. Leuchtfeuer, Bojen, Linien und Beschriftungen drängen sich auf engem Raum. Die Australier passen auf, dass ihrem Weltnaturerbe nichts passiert. Und sie schützen ihre Grenzen wie ein Schießhund.
Wir erwarten, dass wir von einem Flugzeug der Grenzkontrollen gesichtet und angerufen werden. Aber die Zeiten sind vorbei. Heute stehen Drohnen in der Luft. Wir können sechs Stück entdecken. Stationär stehen sie am Passeingang und blinken. Ausgerüstet mit hochauflösenden Zoom-Kameras für den Tag. Damit können Personen auf Booten selbst aus größerer Entfernung identifiziert werden. Infrarot- und Wärmebildkameras für den Nachteinsatz.
Tatsächlich finde ich das ein wenig gruselig, so überwacht zu werden.
Pünktlich um 7:00 Uhr erreichen wir die Marina. Unser Platz ist reserviert, Leinen werden entgegengenommen. Wir dürfen nicht von Bord. Nach einer Stunde erscheint die Dame von der Bio-Sicherheit. Nett, aber streng.
Sie fragt nach Insektenbefall. Flöt. „Ja, hatten wir schon, vor Jahren in Tahiti“, lügen wir erfolgreich. Sie rückt mit einer Taschenlampe an, um Schränke zu inspizieren. Sie scheint zufrieden, Reis und alle trockenen Hülsenfrüchte müssen wir abgeben. Beim Blick unter das Waschbecken im Bad lässt sie eine Bemerkung fallen: „Hier sehe ich Befall von Kakerlaken.“
Wir fragen nicht nach. Schlafende Hunde bloß nicht wecken. Und für sie scheint es nicht schlimm zu sein. Am Nachmittag leuchte ich ebenfalls mit der Taschenlampe in den verdächtigen Schrank. Nichts zu sehen, außer ein paar Fuseln. Wie kann das sein? Arbeitet die Dame etwa mit Tatortreiniger UV-Licht, um Blut sichtbar zu machen?
Australien hat es ja faustdick hinter den Ohren.
Der Dienst mit der Lampe in staubige Ecken zu leuchten und jede Hausfrau bloßzustellen, kostet 260 Euro. Plus 60 Euro, die uns die Marina abknüpft, um unseren Bio-Beutel mit dem Reis, ein paar Zwiebeln und Lorbeerblättern zu entsorgen.
Dann kommt der Grenzschutz an Bord. Das ist eine Mischung aus Immigration und Zoll. Sie erscheinen zu zweit, eine Frau und ein Mann. Noch netter als die Taschenlampen-Frau. Die beiden interessieren sich für wenig. Achim hat im Vorwege schon alle Formulare ausgefüllt und per E-Mail versendet. Frau Grenzschutz verteilt ein dickes Lob: „Würden doch nur alle Cruiser so gut mitarbeiten!“
Dann wechselt das Thema auf das ‚Cruising Permit‘, der vorübergehenden Zolleinfuhrgenehmigung von Atanga. Die wird normalerweise nur für die Dauer des Visums vergeben, in unserem Fall drei Monate. Frau Grenzschutz ist milde, Herr Grenzschutz geht nächstes Jahr in Rente, ihm ist es egal, also bekommen wir das Permit gleich für ein Jahr ausgestellt. Prima, sympathische Leute hier in Cairns. Und dann ist das auch noch kostenlos.
Tag 1 bis 11
Meilen total: 1.269
Dauer: 10 Tage und 22 Stunden
Der stille Ozean hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Nur einen Tag hatten wir mehr Wind als Stärke vier. Eine extrem milde Ozeanpassage und tatsächlich unsere viertlängste. Wirft man einen Blick auf die Karte, scheint die Entfernung von Vanuatu nach Australien ein Hüpfer zu sein. Die Dimensionen des Pazifiks sind immer wieder beeindruckend.


















