Überraschende Touristen-Schwemme

11. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Sunset Beach Holiday Spot; Tag 4, Tageskilometer 60, gesamt 139 km

Von Port Arthur fahren wir in den Fortescue-Nationalpark. Einen Parkpass (56 Euro, für zwei Monate gültig) haben wir gleich bei der Autovermietung mitbestellt.
Bis zum Campingplatz sind es nur achtzehn Kilometer. Davon sind zwölf nicht asphaltiert. Angeblich zwölf Kilometer! In echt sind es dreizehn. Das ist ein Trick. Die meisten Autovermietungen sowohl in Australien als auch in Tasmanien erlauben, nur zwölf Kilometer Gravel Road mit nicht 4×4-Wagen zu befahren. Und das auch nur, wenn der Weg unmittelbar zu einer Sehenswürdigkeit oder einem Campingplatz führt. Bei dreizehn Kilometern ist man als Mieter sofort in der Vollhaftung.

Die Straße ist für alle Fahrzeuge leicht zu befahren. Es staubt nicht mal richtig australisch. Der Fortescue-Nationalpark ist sehr beliebt. Landschaftlich der Hammer und nahe an Hobart gelegen. Und dank der 12-Kilometer-Mogelei für Wohnmobile ebenfalls erreichbar.
Und dann passiert uns, was in Australien in 14 Monaten nur ein einziges Mal vorgekommen ist: Der Platz ist ausgebucht! Keine Chance für uns, dass wir uns irgendwo dazuquetschen. Oh-hah.

13 Kilometer Gravel Road – machbar auch für Wohnmobile. Leider ;-)

Ganz am Rand können wir noch einen Blick auf den Fortescue-Nationalpark erhaschen.

Wir schauen in Wiki-Camps, der Camping-App für Australien, nach Alternativen. Die gibt es an der Küste reichlich. Die Entscheidung fällt auf Maria Island. Eine autofreie Insel. Ebenfalls sehr beliebt und Touristenmagnet.
Ein Blick in das Personenfähren-Buchungssytem sorgt für Ernüchterung. Alle Fährtouren sind für die nächsten sechs Tage ausgebucht. Och-nee.
Die Ferien sind doch vorbei. Was soll das? Wir schlucken die Kröte. Was können wir machen? Nichts! Fortescue und Maria Island streichen wir von der Liste.

Wir suchen uns einen x-beliebigen Campingplatz, um uns neu zu sortieren. Der Camp-Wart legt noch eine Schippe drauf: „Wenn die Ferien vorbei sind, dann kommen die Alten. Die Saison dauert noch mehr als vier Wochen. Und achtet drauf, ein langes Wochenende steht vor der Tür, dann ist alles richtig voll.“ So ein Scherzbold.

Beliebiger Platz direkt am Strand – eine gute Wahl. Der Wind von gestern hat zugelegt, es ist frostig.

Wir haben angenommen, dass Tasmanien noch in einem Touristen-Tiefschlaf steckt. Neuseeland wurde in den letzten zwanzig Jahren überlaufen. Das wussten wir.
Aber wer fährt schon nach Tasmanien? Jetzt wissen wir es: Es sind die Festland-Australier, die zu ihren zweiköpfigen Brüdern kommen. Über 90 Prozent der Touristen sind Aussies.

Wir aktivieren eine Telefonkarte, die wir in einem Gemischtwarenladen kaufen konnten. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Buchungssysteme der Campingplätze häufig ‚ausgebucht‘ zeigen, dass aber per Telefon die Lage ganz anders aussieht.

Bei Highlight Nummer drei auf der Ostseite sind wir per Telefon tatsächlich erfolgreich. Das Online-System zeigt ‚voll‘, aber die Dame hat noch einen Platz für uns: „Ohne Wohnmobil kein Thema, wir haben zwei Plätze, die klein sind.“
Wir gratulieren uns zu unserer Karre.
Morgen also Wineglass Bay. Eigentlich ausgebucht! Geht doch.

– Campingplatz 12 Euro ohne Strom

Auto Talk – ein paar Details über unser neues Zuhause

Unser Wagen ist klasse. War die Übergabe auch speziell, so gibt es sonst nichts zu meckern. Mückengaze vor den Fenstern. Alles, was man zum Kochen benötigt, ist dabei. Sogar einen Gurkenhobel und Sparschäler. Ein Starterkit mit Lappen, Müllbeuteln und Geschirrspülmittel. Handfeger und Schaufel.
Die Töpfe sind albern klein. Damit kann man nicht einmal ein Pfund Nudeln kochen. Aber wir sind sehr zufrieden.

Wenn man die vier Stufen hoch klettert, steht man direkt im „Wohnraum“. Kühlschrank, Spüle, Schubladen und Schränke mit Geschirr. Pass gut. Neben dem Kühlschrank eine von zwei Sitzbänken.

Der Blick vom Bett aus: Viel Ablagefläche. Im Schrank darüber finden alle Kleinigkeiten Platz, wie Salz, Öl und so weiter.

Der Tisch vor dem Bett, zum Ausziehen, aber ohne Stütze. Erst dachten wir, das hält gar nicht. Aber die Platte ist sehr lang und sehr dick. Alles fein.

Das Bett ist bequem und lang genug, da wir nicht quer zum Auto schlafen. Gasheizung, 80 Liter Frischwasser und Warmwasseraufbereitung inklusive.
Die Puppenstube ist ein Raumwunder. Unsere Klamotten, Handtücher und persönlichen Sachen sind wir spielend losgeworden. In den Außenfächern lagern bequem die beiden Koffer. Und ein Karton Bier. ;-)

Das Bett. 1,40 Meter breit. Passt gut für uns. Links und rechts sind Klappen mit viel Stauraum-Volumen. Natürlich bekommen wir die Decke nicht wieder so glatt, somit kann man die Schränke rechts und links nur öffnen, wenn man die Decke runterdrückt. Kleinigkeiten.

Die eine Außenklappe. Wie durch ein Wunder passen zwei Kartons aus dem Supermarkt und der Bierkarton genau neben einander. Besser kann man es nicht machen. :mrgreen: Lager für Obst und Gemüse und Konserven.

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Tassie – ein schauriger Start

8. bis 10. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Port Arthur; Tag 1 bis 3, Tageskilometer 76

Erst um 22:00 Uhr landen wir in Tasmanien. Macht nichts, unsere Unterkunft weiß über ‚late arrival‘ Bescheid. Eine perfekte Wahl. Ein paar Details dazu siehe unten.***
Die Übergabe vom Auto darf sich nicht Übergabe nennen: ***
Macht nichts, es scheint alles zu funktionieren. Da wir wissen, in welchen Supermärkten wir gut einkaufen können und das Puppenstubenauto komfortabel einzuräumen ist, sind wir bereits drei Stunden später auf der Straße.

Unser würfelförmiges Heim für die nächsten 4,5 Wochen. Nicht länger als ein normaler Geländewagen. Agil und passt überall hin.

Wegen schlechten Wetters im Westen disponieren wir um und düsen nach Osten. Wir wählen Port Arthur, nur 76 Kilometer entfernt. Auf dem Campingplatz kurz ein Schreck: ausgebucht! Da unser Wagen aber so klein ist, bekommen wir noch ein Plätzchen, wo die Dicken schlecht einparken können. Wir buchen zwei Nächte.

Es geht tierisch los!

Erste Tier-Begegnung auf dem Campingplatz – ein Potoroo. Niedliche Kängurus mit sehr kurzen Armen.

Ein Ameisenigel – Echidna

Gelbbauch-Sittich

Zu Fuß gehen wir am nächsten Morgen zwei Kilometer zum Gefängnis. Port Arthur war eines der berüchtigtsten Zuchthäuser des britischen Empires. Heute wirkt es malerisch, verbirgt aber eine dunkle Geschichte psychologischer Experimente. Ein abschreckendes Beispiel, zu welchen Scheußlichkeiten Menschen fähig sind.

Das Hauptgefängnis

Nach dem Unabhängigkeitskrieg in Amerika musste England sich einen neuen Verschiffungsort seiner Gefangenen suchen. Australien lag auf der Hand. Ab 1803 begann der Transport auch nach Tasmanien.
Das größte Gebäude der Anlage von Port Arthur war ursprünglich kein Gefängnis. Es wurde zunächst als Getreidemühle und Speicher gebaut. Da die Mühle jedoch nie effizient funktionierte, baute man sie in einen Zellentrakt für Hunderte Gefangene um.

Der jüngste Insasse war James Lynch. Gerade neun Jahre alt. Er wurde verurteilt, weil er Spielzeug gestohlen hatte. Für diesen geringfügigen Diebstahl wurde er zu sieben Jahren verurteilt. Er war kein Einzelfall. Viele Kinder wurden für das Stehlen von Essen oder Taschentüchern ans andere Ende der Welt verschifft. In Port Arthur  sollten sie durch harte Arbeit „reformiert“ werden. Die psychische Belastung ist für Kinder in diesem Alter kaum vorstellbar. Was für eine Ironie, ausgerechnet eine Getreidemühle – Symbol für Leben und Nahrung – zum Ort für psychologische Folter wurde.

Auch bei erwachsenen Gefangenen setzte man zunächst auf das bewährte Prinzip der harten Arbeit. Die Sträflinge schufteten in Steinbrüchen, Holzwirtschaft oder Schiffsbau. Auspeitschungen waren der Lohn für schlechtes Betragen.

Ehemalig vierstöckig. Zwei Brände haben nur noch die Fassade übrig gelassen.

Die Zellen waren winzig. Achim hätte nicht ausgestreckt darin liegen können.

Reste vom Hospital und Irrenhaus.

Mitte des 19. Jahrhunderts änderte man die Strategie: weg von der Peitsche, hin zur psychologischen Zermürbung. Ein zusätzliches Gefängnis wurde gebaut. Im sogenannten ‚Separate Prison‘ herrschte absolute Schweigepflicht.

Um die Isolation zu perfektionieren, durfte es absolut keine Geräusche geben. Die Wärter trugen über ihren Stiefeln Überzieher aus Filz, damit sie lautlos wie Geister durch die Korridore gleiten konnten. Untereinander kommunizierten die Wärter per Handzeichen. Ein Gefangener wusste nie, ob ein Wärter gerade direkt vor seiner Tür stand und ihn durch den winzigen Spion beobachtete oder ob er allein war. Diese ständige Paranoia, beobachtet zu werden, ohne etwas zu hören, war Teil der Folter.

Grundriss vom ‚Seperate Prison‘.

 

Wenn Gefangene ihre Zellen zum Gottesdienst verlassen mussten, trugen sie Masken aus schwerem Stoff mit Sehschlitzen. Damit sie niemanden sehen oder von jemandem erkannt werden konnten. In der Kapelle saßen die Häftlinge in Einzelboxen, die so konstruiert waren, dass sie nur den Prediger sehen konnten, aber keinen ihrer Mitgefangenen.
Da die totale Isolation viele in den Wahnsinn trieb, wurde direkt neben dem Gefängnis eine Irrenanstalt gebaut.

In Ställen, getrennt von einander durch zwei Meter hohe Wände, durften die Sträflinge im Stehen dem Gottesdienst lauschen. Wahrscheinlich trotzdem eine Wohltat endlich eine menschliche Stimme zu hören.

Der Blick von der Kanzel auf die engen Einzelzellen für die Gefangenen. Es geht doch nichts über barmherzige Priester.

Für die schlimmsten Vergehen innerhalb des Gefängnisses gab es die Dunkelzelle im  ‚Separate Prison‘. Sie war absolut lichtdicht und schallisoliert. Gefangene wurden dort teilweise tagelang in völliger Schwärze und Stille gelassen.
Viele verloren dort nach nur 48 Stunden das Zeitgefühl und den Verstand.

Das Gefängnis wurde 1877 geschlossen.
Kaum waren die Tore geschlossen, kamen die ersten Sightseeing-Besucher. Die Menschen waren fasziniert von den Ruinen und dem Schauer der Vergangenheit. Die Einheimischen begannen schnell, Führungen durch die Zellen anzubieten.

Schon in den 1920er Jahren gab es Hotels und Cafés direkt auf dem Gelände oder in unmittelbarer Nähe. Das ehemalige Wohnhaus des Kommandanten und andere Gebäude wurden als Gästehäuser genutzt.
Heute ist es eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Australiens und gehört seit 2010 zum Weltkulturerbe.

Die Kirche für die Wächter und andere Angestellte der Anlage.

Das Gefängnis Ende des 19ten Jahrhunderts. Port Arthur glich eher einer Stadt. Mit Unterkünften für die Wärter, einer Kirche, Obstgarten und Laundry.

Da viele Gebäude durch Buschfeuer (1895 und 1897) zerstört wurden, wirkte der Ort wie eine romantische, mittelalterliche Ruinenlandschaft, was den Tourismus noch mehr ankurbelt.
Und wir mitten drin. Wir verbringen einige Stunden in dem weitläufigen Gelände. Viele Beschriftungen informieren über Details. Mir gefällt, dass es viele Tafeln mit dem Einzelschicksal namentlich genannter Sträflinge gibt. Somit ist der junge James Lynch heute ein bekannter Name in Australien.

– Campingplatz: 30 Euro mit Strom, Eintritt Gefängnis: 63 Euro für zwei Personen (happig)

 

*** Unsere Unterkunft, das ‚Twelve 30‘, hat bei Booking.com eine 9,8-Bewertung. Das ist außergewöhnlich hoch. Der Preis ist mit 135 Euro pro Nacht kein echtes Schnäppchen, aber da Frühstück enthalten ist und wir von dort aus zu Fuß zur Abholung vom Mietwagen gehen können, fällt die Buchungsentscheidung leicht.

Freitag vor unserem Abflug bekommen wir eine Mail vom Auto-Vermieter, dass Montag die Übergabe nicht nahe dem ‚Twelve 30‘ stattfinden wird, sondern am Flughafen.
Wie blöd sind die denn? Hätten wir das gewusst, dann hätten wir ja ein Zimmer am Flughafen gebucht. Ein Telefonat mit dem Autovermieter kurz vor Feierabend vor dem Wochenende bringt keine Lösung. Es bleibt beim Flughafen-Treffpunkt.

Montag war ein Feiertag in Tasmanien. Das wussten wir. Dafür haben wir extra eine Gebühr (38 Euro) für die Autoübergabe am Feiertag zahlen müssen. Da der Flug aber an diesem Tag günstig war und alle Geschäfte geöffnet haben, waren wir einverstanden.

Morgens beim Frühstück versucht Achim einen Uber zu bestellen. Gestern Abend haben wir natürlich keine Sim-Karte mehr kaufen können, sind also ohne australische Telefonnummer. Das finden Uber- und Taxidienste doof.
Da taucht plötzlich Michelle, unsere Gastgeberin, auf, die gleich im Haus nebenan wohnt. Eine liebenswerte ältere Dame. Wir sprechen über dies und das. Erhalten Tipps, was wir unbedingt besichtigen sollten. Reizend.
Achim fragt, ob sie für uns ein Taxi bestellen könnte. „Kein Problem. Das braucht ihr nicht, ich fahre euch zur Übergabe.“ Wir vergeben 10 von 10 Punkten.

Alles in Pastell gehalten, Blumenmuster, romantisch, englisch. Sehr hübsch.

Das Frühstück: selbstgebackenes Brot, Feigen aus dem Garten, selbstgemachte Marmelade (Rosmarin/Aprikose und andere Exoten), frischer Joghurt, Chutneys und und und

Die Übergabe auf dem Parkplatz beim Flughafen ist ein Witz. Eine Frau übergibt uns die Autoschlüssel. „Don’t ask me questions about the fu..ing car. I have no clue. Wenn ihr etwas über das Auto wissen wollt, müsst ihr die Notfallnummer vom Vermieter anrufen.“
Mit dem Vertrag der Vermietung haben wir einen Link bekommen für ein You-Tube-Video über die Besonderheiten des Wagens. Wir versuchen, uns zu erinnern, was dort gezeigt wurde. Läuft einigermaßen mit der Erinnerung.
Ich mache Fotos von allen Lackschäden und Kratzern an der Einrichtung innen. Das macht ein komisches Gefühl.
Wofür die Feiertags-Gebühr erhoben wurde, erfragen wir dann bei der Rückgabe.

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Auf nach Tassie!

8. Februar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.271

Tasmanien gehört vollumfänglich zu Australien. Allerdings wurde die kleine Insel im Südosten früher auf Karten einfach weggelassen. Das ging so weit, dass bei den Commonwealth Games 1982 – den britischen olympischen Spielen – tanzende Kinder bei der Eröffnungszeremonie die Form von Australien bildeten, aber Tasmanien fehlte. Damals waren die Tasmanians sauer. Heute ist es ein Volkssport, Karten zu sammeln, die Tassie „vergessen“ haben.

Tassie wird das Land genannt, Tasmanians sind die Bewohner. Von den Festland-Australiern auch ehrfürchtig Taswegians genannt: wettergegerbte Einsiedler wie die Norweger. Wikinger, die gemacht sind zum Überleben in der kalten Wildnis.
Will der Australier lästern, nennt er die Tasmanier „Two-headers“. Das ist ein fieser Witz vom Festland. Die Insel sei so klein und isoliert, dass dort alle miteinander verwandt wären. Daher hätten die Tasmanier angeblich zwei Köpfe. Oder zumindest eine Narbe am Hals, wo der zweite Kopf entfernt wurde.
Die Ostfriesen in Oz, sozusagen.

Tasmanien hat die Größe von Bayern. Ungefähr 300 mal 300 Kilometer in der maximalen Ausdehnung. Keine 600.000 Einwohner. Es gibt Tasmanische Teufel, diebische Gänse und ein unterirdisches Museum. Es vergeht kein Monat, in dem nicht einer der „Two-Headers“ einen Tasmanischen Tiger gesehen haben will. Somit gibt es vielleicht doch noch eine klitzekleine Chance, dass auch wir auf einen stoßen. ;-)

Da fliegen wir nun hin. Gleich geht es los. Gute drei Stunden Flug nach Sydney und dann ein kleiner Hüpfer nach Hobart. Unseren 4×4-Camper haben wir für 32 Tage gemietet. Zum Ende der Mietzeit wurden die Tage immer günstiger, da konnten wir nicht widerstehen. Ausreichend Zeit, um die Insel zum umrunden. Und auch mal einen Regentag aussitzen zu können.

So in etwa soll unsere Route aussehen. Los geht es in Hobart, im Süden, beim roten Punkt.
Geplant ist im Uhrzeigersinn zu fahren, allerdings sind die Vorhersagen für den Westen für die nächsten Tage „geht so“. Also kann es passieren, dass wir uns kurzfristig umentscheiden.

Atanga haben wir einen Aufpasser besorgt. Pierre wurde uns von der Marina empfohlen. Er hat einen Charterbetrieb und wohnt selber in der Marina. Das Mooring-Getüddel im Falle eines Zyklons ist ihm bestens vertraut. Er würde im Fall der Fälle Atanga nach Vorschrift vertäuen.

Alles, was sich bei viel Wind losjackeln könnte. hat Achim verzurrt. Zusätzlich auch das Bimini abgebaut.

Das Dinghy ist ebenfalls festgezurrt. Die dicken Tampen für eine eventuelle Mooring-Aktion liegen bereit.

 

Die Vertäung der Boote im Falle eines Zyklons – alle Boote rücken zwei Meter vom Steg ab.

Darum würde Pierre sich kümmern.

Zusätzlich guckt er einmal in der Woche ins Schiff, ob alles in Ordnung ist. Ein Vertrag steht (200 Euro kostet sein Service) und wir sind zuversichtlich, dass er alles zu unserer Zufriedenheit erledigen wird. Kommt kein Zyklon, dann bleibt Pierre arbeitslos – uns wäre das ohnehin am liebsten.

Wir sind dann mal weg, Tasmanische Tiger jagen!

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Butter bei die Starlink

4. Februar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.267

„Game Changer“. „Internet Revolution“. „Lebensveränderer“.
Von Langfahrtseglern (und Campern) bekommt Starlink viele ehrfürchtige Bezeichnungen.

Wir haben seit neun Monaten Starlink im Einsatz. Neun Monate ohne Sim-Karten, ohne WLAN-Suche, ohne Gigabyte-Panik. Die Technik hat unser Leben an Bord verändert – mehr als erwartet.

Die Hardware
Wir haben uns für Starlink „Mini“ entschieden.

 

Starlink Standard Starlink Mini
Maße 59 x 38 cm;
Familienpizza-Karton
30 x 25 cm;
DIN A4-Format
Gewicht 3.2 kg; Schleppfaktor 1.1 kg; Leichtgewicht
WLAN (Wi-Fi 6); Empfang noch auf dem Nachbarschiff möglich (Wi-Fi 5); reicht fürs Vorschiff
Router Extern; Kabelsalat plus wohin mit dem Router? Intern; alles in der Platte versteckt
Watt Hungrig (75 Watt) Diät-Modus (25 Watt)
Speed „Gib ihm!“ (300+ Mbit/s) „Reicht locker!“ (150 Mbit/s
Empfang Sturmfest:
Empfang auch bei Unwetter und Schnee
Schönwetterfreund: Empfang bei dicken Wolken schon mal wackelig
Hitze Auch für 45 Grad im Outback gemacht Soll bei praller Sonne auch mal drosseln

Der eingebaute Router hat den Vorteil: keine Kabel, kein zusätzlicher Kasten. Unser hat allerdings eine kleine Macke. Gelegentlich schaltet er einfach ab und kippt uns aus dem Internet. An- und Ausschalten hilft. Manchmal braucht es drei Versuche. Der Eindruck verdichtet sich, dass es vermehrt auftritt, wenn andere Starlink-Antennen in der Nähe sind.
Wer hat ebenfalls eine Mini und kennt dieses Phänomen? Oder haben wir einen echten Montags-Starlink an Bord?

Die Installation
Auf den meisten Booten bekommt der Starlink eine Installation am Heck. Auf mehr oder weniger eleganten Trägern ragt dann das Ofenblech in den Himmel. Durch unser Mittelcockpit ist der Weg zum Heck lang und verbaut. Ein Plätzchen hätten wir am Heckträger wohl noch gefunden, aber für die Stromversorgung wären einige Baumaßnahmen erforderlich gewesen.

Installationsvarianten. Auf langer Stange, mehr als prominent, oder geschickt am Heckträger angebaut.

Daher hat Achim experementiert: Unsere Antenne steht im Cockpit auf einem der beiden Ablagefächer neben dem Niedergang. Verdeckt von Bimini, halb verdeckt von der Sprayhood. Je nach Segelkurs sind sogar noch Baum und Mast im Weg.

Unsere Mini steht im Cockpit auf einer Antirutsch-Matte. Das funktioniert auch auf See. Zusätzlich sichern wir sie am Aufstellfuß mit einem Bändsel.
Die Stromversorgung verschwindet in der Klappe und kommt direkt aus der Navigation über dem Niedergang. Schöne Lösung ohne Kabelsalat.

Zum Verstauen hat Achim unter die Klappe eine Einschubvorrichtung geschraubt. Ganz simpel gehalten aus Holzleisten und einem Kunststoff-Schneidbrett.
Klappe zu – Starlink weg.

 

Eigentlich möchte die Mini freie Sicht zu ihrem Satelliten. Bei uns funktioniert die Verbindung trotz Abdeckung erstaunlich gut. Nur, wenn alles gegen uns steht, dann geht der Empfang tatsächlich in den Keller. Wer Starlink zum Arbeiten benötigt, wird diese Lösung vermutlich nicht lieben. Für uns als geplagte WLAN-Nutzer funktioniert es.

Die Mini hat keinen Motor und muss manuell zum Satelliten ausgerichtet werden. Nach jeder Wende und jedem Kurswechsel erneut. Da haben wir kurze Wege. Statt auf See ans Heck stolpern zu müssen, können wir bequem vom Cockpit die Antenne ausrichten.
Einen weiteren Haken hat diese Installation. Unsere Mini-Antenne fiept. Ich taube Nuss höre das Geräusch nur äußerst selten. Aber Achim ist schon mal etwas genervt davon.

Der Stromverbrauch
Der größte Vorteil für uns ist der niedrige Stromverbrauch. Zeitgleich mit dem Starlink ist eine Lithium-Batterie (für unsere kleine Verbraucherbank) an Bord gekommen. Solar und Wind bringen genug Strom rein, dass wir am Anker die Antenne Tag und Nacht durchlaufen lassen könn(t)en. Auf See haben wir durch die Navigation und Funk zusätzliche Verbraucher. Somit schalten wir beim Segeln den Starlink nur stundenweise ein.

Verträge und Kosten
An diesem Punkt muss gearbeitet werden. Transparenz wird von Elon klein geschrieben.
Das Internet ist voll mit Fragen zu Tarifen, Kündigungen und Laufzeiten. Je nachdem, wo man die Antenne kauft, gelten andere Tarife. An Land gelten andere Verträge als auf See. Ein Dschungel.

Wir haben unsere Antenne in Australien aktiviert. Um im Küstenbereich – bis zwölf Seemeilen – Starlink nutzen zu können, mussten wir den Tarif „Roaming unlimited“ wählen.  Für 112 Euro (195 AUD) im Monat.
Nachteil: Außerhalb der 12-Meilen-Zone schalten „Roam-Tarife“ ab. Wir haben bei der Überfahrt nach Neukaledonien den „Ocean Modus“ dazu gebucht. Dieser Tarif wird nach Einheiten berechnet: 1,83 Euro pro verbrauchtem Gigabyte. Es soll Gebiete geben, da muss man komplette Ocean-Pakete kaufen. Gigabyte, die man auf See nicht verbraucht hat, verfallen. Bei uns wurde exakt abgerechnet. Angeblich haben wir während der zehntägigen Überfahrt 25 GB verbraucht. Das kommt uns realistisch vor.

Starlink in Neukaledonien
Bei der Ankunft in Neukaledonien haben wir den „Ocean“-Tarif gekündigt und laufen seitdem auf dem australischen „Roam“. Örtliche Sim-Karten sind grausam teuer. Fünfzig Euro im Monat für 25 GB. Da fiel die Entscheidung recht leicht, Starlink einfach durchlaufen zu lassen.

Sobald man länger als zwei Monate in einem neuen Land bleibt (Umzug von Australien nach Neukaledonien), erwartet Starlink, dass man seine Service-Adresse ändert. Macht man dies nicht, kann der Dienst unterbrochen werden.
Wir haben dies komplett ignoriert, denn Neukaledonien bietet gar keinen Starlink-Service an. Der Hauptakteur ist das OPT-NC, ein staatliches Unternehmen, das in Neukaledonien ein gesetzlich verankertes Monopol auf Telekommunikation unterhält. Und die OPT-Leute mögen Starlink gar nicht gerne, da ihre Einnahmen durch die US-Konkurrenz gefährdet werden.
Neue Antennen kann man in Neukaledonien nicht aktivieren. Unsere Liegenachbarn laufen auf Fiji, Neuseeland oder Australien.

Wir haben in den ersten Monaten immer damit gerechnet, dass uns der Starlink-Saft abgedreht wird. Aber nichts ist passiert. Der Dienst läuft tadellos durch.
Starlink respektiert in den meisten Fällen die nationalen Wünsche anderer Länder und verhängt ein „Geo-Fencing“. Klack, mit Überschreiten der 12-Meilen-Zone schaltet die Antenne ab. Südafrika oder Namibia sind solche Beispiele.
Die Abkommen zwischen Neukaledonien und Starlink sind ausstehend. Elons Satelliten fliegen ungerührt über uns hinweg. Empfang jederzeit möglich.

Game Changer
Jawohl! Das darf man wohl behaupten. Wir können plötzlich streamen und brauchen nicht mehr die ewig alten Filme von Konserve zu sehen. Vorbei die Zeiten, in denen wir Gigabyte gezählt haben, um bis Ende des Monats auszukommen. Oder irgendwo vor einer Post gesessen haben, weil nur dort der Empfang möglich war. Auf See haben wir bessere Wetterinformationen. Ein echtes Sicherheitsplus.

Und die Kosten? Natürlich ist es teurer. Wir zahlen jetzt das Doppelte von dem, was wir vorher für Internet ausgegeben haben. Ist es perfekt? Nein!

Jeder Game Changer hat seinen Preis. ;-)

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Video – Lagunenzauber in Neukaledonien

29. Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.261

Mal ehrlich: Nirgends ist es einfacher als in Neukaledonien, mal eben in traumhafte Ankerplätze zu verschwinden. Nur ein paar Seemeilen und man liegt einsam vor Anker oder an der Mooring.
Ist der Kühlschrank leer und der Robinson-Bart zu lang,  ist man ruck-zuck zurück in Nouméa. Mit französischen Supermärkten. Mit Baguette, Käse und Salami.
Eine Großstadt, aber nicht laut. Keine Schönheit, aber überall finden sich feine Ecken.

Die letzten acht Monate haben wir jetzt in einem Video zusammengepackt.
Viel Spaß beim Mitreisen und Genießen.

 

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