Die beste Feuershow im Pazifik

Fr., 19.Jun.26; Vanuatu, Efate, Mele; Tag 4.390; 29.838 sm total


Die Eigenwerbung für die Feuershow, die jeden Freitag stattfindet, ist vollmundig. Da wollen wir hin. Dafür verlassen wir Port Vila mit seinen Supermärkten. In den nächsten Wochen erwarten wir keine Einkaufsmöglichkeiten. Atanga ist bis zum Versinken des Wasserpasses voll geladen: Wasser, Diesel und reichlich Futter. Ich habe dreißig Mahlzeiten eingekocht. Schwerstarbeit.

Wie zur Atlantik-Überquerung: Die nächsten Wochen erwarten wir wenig Infrastruktur.

Was fehlt, sind Eier. Um mit Oliver Kahn zu sprechen: Eier, wir brauchen Eier!
Im Supermarkt stehen wir vor einem leeren Regal. :shock:
Wir klappern die kleinen Mini-Shops an der Promenade ab und werden fündig. Ein letzter 30er-Träger, eingeschweißt mit einer Folie. Halt! Das Legedatum war am 5. Mai! Das ist ja über sechs Wochen her. Nicht klimatisierter Laden. Daneben stehen 6er-Kartons ohne Datum, aber gleiche Legebatterie. Die Katze im Sack, besser gesagt, das Küken im Ei. Wir suchen weiter. Nächster Laden, gleiche Eier, gleiches Datum.
Erst nach einem Gewaltmarsch durch die halbe Stadt finden wir Eier anderer Herkunft. Komplett ohne Datum. Die nehmen wir jetzt einfach. Was soll schon passieren? :mrgreen:

30er-Träger gibt es auch gerne mal ohne Folie. Gut für den, der ein Band im Rucksack findet. Diese Eier hatten auch kein Datum und waren tadellos.

Bis zur Beach-Bar mit der Feuershow ist es nicht weit. Nach sechs Meilen fällt der Anker vor einem weitläufigen Strand. Trotz kräftiger Böen liegen wir hier ganz prima.
Die Show ist beliebt. Frühes Kommen sichert gute Sicht. Wir sind schon um 17:00 Uhr am Strand. *** Wir finden einen Platz in der ersten Reihe, Mitte. Prima.

Plätze gibt es genug. Kurz vor 8:00 Uhr war noch viel frei. Links, das ist die Schlange für die Pizza-Bestellung. Knapp 90 Minuten später hatten alle ihr Essen.

Aufbau der Feuerstäbe und Dreizack und anderer Schleudergeräte.

Die Show beginnt. Dreißig Mitglieder der örtlichen Tanzgruppe ‚Wan Smolbag‘ springen auf den Strand. Zu moderner Popmusik wird Feuer geschleudert, gespuckt und gedreht. Die Funken sprühen. Es stinkt nach Petroleum. Bei vielen Feuerstößen gleichzeitig wird es warm in der ersten Reihe. Fast meint man, dass die Haare ansengen.
Hier wird nicht lang gefackelt, sondern die beste Feuershow des Pazifiks abgeliefert.

Wie man es sich vorstellt: knackige junge Männer …

Auch drei junge Frauen sind dabei. Die haben beim Jonglieren weniger gepatzt als ihre männlichen Kollegen.

Unter Einhaltung sämtlicher Feuerbrand-Vorschriften werden an langen Stangen Fackeln über die Köpfe der ersten drei Reihen gehalten. Mutig. :mrgreen:

Das furiose Finale. Eine absolut nette Show.

 

*** Show-Infos

Wir sind auf die allgemeine Information „man muss reservieren“ und „ man muss früh vor Ort sein“ hereingefallen. Reservieren muss man nur, wenn man in der Bar an einem der Tische sitzen will. Von wo aus man tatsächlich den schlechtesten Blick auf das Spektakel hat.
Wer zufrieden mit einer Pizza auf dem Schoß ist, braucht weder eine Reservierung, noch muss man bereits um 17:00 Uhr vor Ort sein. Auch eine Stunde später gab es noch gute Plätze, da die meisten Leute einen Tisch reservieren.
Und wer ganz spät kommt, setzt sich einfach vor die erste Reihe in den Sand. Hier wird es dann heiß. Stört aber nicht wirklich jemanden.

Da der Eintritt der Show kostenlos ist, wird die Sause durch den Verzehr der Zuschauer finanziert. Das Programm startet erst, wenn alle ihr Essen bekommen haben (Burger, Fish&Chips, Pizza usw.). Bei uns erst um 19:30 Uhr. Da war unser Hintern auf den schmalen, niedrigen Bänken schon ganz schön platt gesessen.

– Happy Hour auf Getränke zwischen 17:00 und 18:00 Uhr. Happy Hour heißt nicht ‚halber Preis‘. Aber ein Euro Nachlass für ein Bier macht ja auch schon happy.
– Am Ende der Vorstellung geht ein Hut durch die Reihen. Die Feuer-Truppe freut sich über Spenden.

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Margaritas im Steuerparadies – Ein Silberhochzeits-Upgrade

07. – 16.Jun.26; Vanuatu, Efate, Port Vila; Tag 4.390-99; 29.832 sm total

 Wir liegen noch vor Port Vila. Es gefällt uns hier. Die Leute sind sympathisch und super freundlich. Ausgedehnte Streifzüge durch die Stadt zeigen, nur die Hauptstraßen sind asphaltiert. Bereits in der dritten Reihe endet dieser staubfreie Luxus. Auch eine Dinghyrunde um die Inseln, in deren Schutz wir liegen, zeigt viel Verfall. Was irgendwann durch einen Zyklon zerstört wurde, wartet vergeblich auf einen Wiederaufbau.

Staubige oder schlammige Straßen gleich hinter der Marina. Viel Müll liegt herum in den Straßengräben.

Kreative Abstützung einer neu gemauerten Mauer.

Zyklon-Opfer. Unterhalb der Hauptpromenade liegen geblieben.

 

Im Gegensatz dazu wird die Resort-Insel Iririki direkt hinter uns mit noch mehr Unterkünften zugepflastert. Die Luxus-Inseln und Edel-Restaurants bedienen den Geldadel. Häufig durch ausländisches Kapital finanziert, importieren sie ihre Waren selbst und sichern sich mit eigenen Generatoren gegen einen lokalen Stromausfall ab.

Die kleine Insel ist schon seeeehr voll mit Bungalows. Mehr sollen folgen. Das Hotel gehört zwei australischen Brüdern.

Im Supermarkt stehen prall gefüllte Regale. Neuerdings mit australischen Dips und französischer Salami, während das Nationalmuseum von Vanuatu eine traurige, staubige Ansammlung von Artefakten ist. Unstrukturiert in Schaukästen ausgestellt. Gewellte Fotografien an den Wänden und abgeplatzte Fliesen auf dem Fußboden – alles deutet darauf hin, dass es hier schon oft durchs Dach geregnet hat.
Eine Zwei-Klassen-Realität eines Entwicklungslandes.

Die Vitrinen sind mit einer Folie von innen abgeklebt. Wahrscheinlich UV-Schutz. Dadurch kann man alle Gegenstände und Beschriftungen nur noch schwer erkennen. :roll:

Das wohl staubigste Museum, in dem wir bislang gewesen sind. Es wurde versucht Staub zu wischen. Wie bei uns, wenn ich die Cockpit-Scheiben entsalze.

Das Museum ist winzig. Kostet aber trotzdem 8,00 Euro Eintritt. Nicht gerechtfertigt, wie wir befinden. Vieles erschließt sich uns nur, weil wir schon einiges über Vanuatu gelesen haben.

Ein Foto von 1909 – Ein Ni-Vanuatu mit den gedrehten Hauern eines Ebers, die hier bis heute so begehrt sind.

Für nur rund 150.000 Dollar könnten Achim und ich uns hier eine Staatsbürgerschaft kaufen. In dreißig Tagen wäre der Deal perfekt. Früher war der Vanuatu-Pass der absolute Renner, weil man damit visafrei in die EU einreisen konnte. Interessant für wohlhabende Chinesen, Südafrikaner und andere Nationen mit „schlechtem“ Pass.
Damit ist es vorbei, weil Vanuatu die Pässe reihenweise an Leute vergab, deren Identität und Absichten kaum geprüft wurden. Zudem steht das Land auf der schwarzen Liste für Geldwäsche. Wer den Pass heute kauft, benötigt wahrscheinlich ein steuerliches Fluchtfahrzeug. Fehlende Einkommen- und Vermögensteuer in Vanuatu halten die Pass-Attraktivität weiterhin hoch.

Wir nutzen diese Zwei-Klassen-Gesellschaft aus, um eine Scharte vom letzten Jahr auszuwetzen: als unsere Silberhochzeit total unromantisch bei McDonald’s endete. Alles Liebe zur Silberhochzeit Dieses Jahr soll es besser werden. Wir wählen das Restaurant in der Marina.
Zum Glück geht alles glatt. Freundliche Kellner, Frozen Margarita und ein gelungener „Fish of the Day“. Der Gatte ist gut gelaunt und sogar der Himmel zeigt einen Hauch von rosa Färbung. Kaum zu glauben, vor zwei Tagen sind wir noch auf dem Schiff abgesoffen.
Vanuatu gefällt uns immer besser – und mal ehrlich, was sind schon 150 Tausend Dollar? :lol:

Vor 26 Jahren haben wir ja gesagt.

Ein feiner Aperitif mit Blick aufs eigene Schiff. Der Papierstrohhalm wird Vanuatu nicht helfen. Es liegt relativ viel Müll herum, was wenig Mülleimern geschuldet sein könnte.

Nicht nur Achim hat gute Laune.

Über Geschmack kann man nicht streiten: wer Pommes will, soll welche bekommen. Natürlich ist das Essen für das Preisniveau in Vanuatu viel zu teuer. Das ist auch so ein Phänomen von Entwicklungsländern. Aber der Standard war sehr gut und die fünf (!) verschiedenen Kellnerinnen und Kellner, die wir hatten, ausgesprochen nett.

Es gab sogar Blumen. Lotusblüten.

Was mir auf dem Markt noch gar nicht aufgefallen war: Die Blütenblätter sind alle umgekrempelt – ein sogenanntes „Lotus Folding“. Die Idee stammt aus Thailand, aus buddhistischem Umfeld. Die Marktfrauen in Port Vila haben sich diese Technik abgeschaut.
Lotusblüten verwelken in tropischer Wärme sehr schnell, falls die Knospen überhaupt aufgehen. Das Umkrempeln der Blütenblätter bringt die leuchtenden Staubblätter im Inneren zum Vorschein, lässt die Blume viel größer wirken und sorgt dafür, dass sie als Opfergabe im Tempel tagelang frisch  aussieht.

 

 

 

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Insel im WM-Rausch  

Fr., 05. Jun. 26; Vanuatu, Efate, Port Vila; Tag 4.394; 29.832 sm total

Schon bei unserer Einfahrt letzte Woche in die Bucht von Port Vila kommt uns Deutschland entgegen. Dicht gefolgt von Doppel-Brasilien. Im Schlepptau von England. Fast alle Wassertaxis und andere Arbeitsboote sind mit überdimensionalen Flaggen geschmückt. Sind das Fußball-Fans, fragen wir uns.

Alle Arbeitsboote zeigen Flagge.

Jawohl! Und was für Fans. Jeden Tag sind Boote und Autos extremer geschmückt, werden die Fahnen imposanter. Die Marktfrauen haben plötzlich Tischflaggen ins Haar gesteckt und schwenken Girlanden.
Und dann lädt die Stadt zur Parade ein. Man möchte meinen, soeben sei der Weltmeister gekürt worden. Nein, es ist ein reiner „Wir-machen-uns-schon-mal-warm-vor-dem-Eröffnungsspiel-Autokorso“. Eine Woche vor Beginn der WM. Total verrückt!

Die halbe Stadt ist auf den Beinen. Tausende Leute. Es gibt einen Wettbewerb: Wer hat den schönsten Truck? Der Umzug ist nach Länderflaggen getrennt. Die größte Fangemeinde stellen die Brasilianer, dicht gefolgt von Frankreich und Argentinien. Auch Deutschland ist stark vertreten. Jubelnd und lachend werden die Fahnen-Schwenker von Schaulustigen begrüßt. Heute Nachmittag arbeitet hier keiner mehr. Ein riesiges Volksfest. Wer eine Flagge, ein buntes T-Shirt oder einfach nur gute Laune hat, reiht sich spontan in die Menge ein.

Frankreich ist das letzte Land beim Umzug. Stark vertreten.
Vanuatu wurde erst 1980 unabhängig. Bis dahin hatte das Land noch Französische und Englische „Kolonial-Herren“.

Der Treffpunkt des Umzugs liegt nur zehn Minuten vom Mooringfeld entfernt. Wir schließen uns dem Tross an. Auf einer Wiese mit einer kleinen Bühne sammeln sich alle Fans.
Vanuatu braucht kein eigenes Team im Turnier, um die krasseste WM-Party des Planeten zu feiern. Und das, bevor auch nur eine einzige Mannschaft 2026 in Nordamerika aufgelaufen ist.

 

Brasilien außer Rand und Band. Wir sind die einzigen Langnasen auf dem Festplatz. Können uns behelligt einfach unters Volk mischen. Die Atmosphäre ist entspannt.

Mehr Deutschlandflaggen als auf dem Ku’damm.

Vanuatu-Fans meinen das ernst. Eigens entworfene T-Shirts kommen zum Einsatz.

Die Begeisterung ist ansteckend. Die Menschen freuen sich einfach. Ja, worüber eigentlich? Nur darüber, dass eine Weltmeisterschaft stattfinden wird. Egal, wer gewinnt. Dabei sein, ist alles. So unverfälscht sollte Fußball immer sein. Das wäre schön.

Pure Freude

Argentinische Schönheit. Überhaupt sind auffallend viele Frauen unter den Fans.

Vanuatu hat auch eine eigene Nationalmannschaft. Die spielt im internationalen Fifa-Geschehen keine Rolle. Bester Erfolg: Vizemeister 2024 im OFC-Bund (Oceania Football Confederation).
Für eine Sensation sorgte die Nationalmannschaft Vanuatus allerdings bei der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als man Neuseeland mit 4:2 besiegte. Das führte zur Nicht-Qualifikation der hoffnungsvollen Neuseeländer. ;-)

Wer selber bei einer WM nicht dabei sein darf, muss sich etwas einfallen lassen. Für uns wirkt es komplett willkürlich, wer für Argentinien singt oder England trommelt. Traditionell haben die Südamerikaner die meisten Fans. Als erst spät in den 90er-Jahren Fernsehen nach Vanuatu kam, liefen hier vor allem die Spiele der erfolgreichen Teams.
Die Fanzugehörigkeit wird im Viertel vom Opa auf den Enkel übertragen. Das bleibt meistens ein Leben lang bestehen. Es sei denn, die gehypte Mannschaft scheidet vorzeitig aus. Da kann es sein, dass der Brasilien-Fan plötzlich deutsche Flaggen zeigt. Besonders das legendäre Spiel 2014, als Deutschland Brasilien mit 7:1 besiegte, hat in Vanuatu viele Deutschlandfans hervorgebracht.

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Port Vila – eine überraschende Hauptstadt

Sa., 30.Mai bis 06.Jun.26; Vanuatu, Efate, Port Vila; Tag 4.382–89; 29.832 sm total

Die nächste Insel liegt 90 Meilen entfernt. Zu viel, um es bei Tageslicht zu schaffen. Dazu vorhergesagte schlappe drei Windstärken. Unser Routing wirft zwanzig Stunden aus. Wir starten am späten Vormittag, um im Morgengrauen anzukommen. Achim hat alles vorbereitet, die Genua ausbaumen zu können. Einmal mit Profis arbeiten. :lol:

Wir rasen mit sechs, sieben Knoten dem Ziel entgegen. Halt! So geht das nicht, dann würden wir Port Vila mitten in der Nacht erreichen. Wir reffen. Es könnte so schönes Segeln sein. Halber Wind, noch Wellenabdeckung der Insel. Aber nein.
Dann kommt der Wind vorlicher. Das Ausbaumen der Genua ist ein Witz. Sie flattert. Weg damit, die Fock muss ran. Zur Nacht nehmen wir das Vorsegel komplett weg. Wir sind zu schnell. Am Ende drehen wir vor der verwinkelten Bucht von Port Vila noch zwei Stunden bei, um Zeit totzuschlagen.
Da hat ein Plan ja mal richtig gut funktioniert.

Port Vila ist die Hauptstadt Vanuatus. Gut 50.000 Menschen, zwanzig Prozent der Bevölkerung, wohnen hier. Der Kontrast zu den Kastom-Dörfern könnte nicht größer sein. Es gibt sogar eine Marina mit Restaurant und Duschen. Wir mieten uns eine der Moorings, da die umliegenden Ankerplätze entweder sehr tief oder unrein sein sollen. Es ist sogar von Schwefelwasserstoff-Ausgasungen die Rede, die den Zink auf der Kette angreifen. Ob das Seemannsgarn ist oder vom Marinabetreiber erfunden wurde, wissen wir nicht. Möchten aber auch keine Versuchskaninchen sein.

Das Mooringfeld. Es ist eine ähnliche Parksituation wie in Fiji/Savu-Savu. Vorgelagerte Inseln bilden eine Art Kanal. Super Dinghy-Dock, kostenlos für Mooring-Nutzer. Auch seinen Müll wird man los und Wasser kann man bunkern. Passt!

Atanga in der Mitte. Im Hintergrund ein winziger Hafenbereich, der stört nicht wirklich.
Schwellfrei Tag und Nacht.

Auf zum Segler-Dreikampf. Dank Starlink entfällt neuerdings die SIM-Kartensuche. Es bleibt ein Zweikampf: Supermarkt und Wäscherei finden. Eine Wäscherei befindet sich direkt auf dem Marinagelände. Mamma Laundry hat ihre eigene Philosophie: Waschen, Trocknen, Falten kosten 16 Euro. *** Wer nur waschen lassen möchte, kein Problem, kostet dann aber das Gleiche. :mrgreen:

Der Supermarkt überrascht uns total. Eine große Auswahl an australischen und vor allem chinesischen Produkten. Bestimmt acht, neun Sorten Reis. Sogar abgepacktes Schwarzbrot. Bio-Qualität aus Frankreich. Zum halben Preis, weil das Ablaufdatum kurz bevorsteht. In den Warenkorb!

Zwei aufgeräumte Supermärkte in Laufweite. Frisches Fleisch hat uns nicht enttäuscht. Das beste Huhn seit Australien.

Aus acht Metern Milchprodukte in Nouméa sind zwei Meter geworden. Käse gibt es als Tasty, Mild oder Edam. 

Fast alles ist preiswerter als in Nouméa. Fühlt sich gut für uns an.
Wir werden noch einige Tage bleiben. Zwei Kartons Bier für den abendlichen Sundowner sind auf den kaputten Gehwegen schwer mit der Karre zu ziehen. Achim hat nach einer Runde keinen Bock mehr. Ich hingegen möchte die aufgemampften Gläser wieder voll kochen. Noch mehr Schlepperei. Aber nach Port Vila erwartet uns tiefste Kastoms-Pampa.

Die Fußwege. Zum Supermarkt sind es knapp 1,5 Kilometer. Das läuft sich mit Karre und Gewicht etwas hässlich.

Auf dem Zentral-Markt gibt es noch Kastom-Feeling.

Lotusblüten-Sträuße auf dem Markt. Nicht nur Deko. Die Blüten kann man essen und die Saat aus den Kapseln, die wie Duschköpfe aussehen, ebenfalls.

Die modernen Computer-Läden haben ein paar Handys und Notebooks. Vor allem aber diese ‚Batterien‘ für die Energieversorgung in den abgelegenen Inseln und Dörfern.
Man kann Sets inklusive Solarpanelen und Kühlschrank kaufen.

Wir genießen Vanuatu total.

 

Waschmaschinen-Talk

*** Dank der bordeigenen Buchhaltung weiß ich, dass wir in zwölf Jahren unfassbare 3.200 Euro für Wäschewaschen ausgegeben haben. Fast 25 Euro im Monat. Oder sechs Mittelklasse-Maschinen in der Anschaffung.
Solche teuren Klopper wie hier treiben die Preise nach oben. Da bekommt „schmutzig, aber noch dreimal tragbar“ eine andere Bedeutung. Und Bettwäsche wechseln wird sowieso überbewertet. ;-)

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Vom Wert eines Schweins und einer Packung Milch

Do., 28. Mai 26; Vanuatu, Erromango, Dillons Bay; Tag 4.380; 29.737 sm total

Wir verlassen den Vulkan. Ein letzter Ascheregen fällt in der Nacht ins frisch gewienerte Cockpit und der saure Fallout hinterlässt hässliche Flecken auf dem Edelstahl. Danke für nichts an dieser Stelle, schöner Yasur. ;-)

Ein letzter Blick auf den Yasur als wir morgens nach Erromango aufbrechen.

Die nächste Insel, Erromango, erreichen wir am Nachmittag. Wir werfen den Anker vor dem größten Ort auf der Insel. 800 Einwohner. Der letzte kannibalische Vorfall ereignete sich hier 1839. Ein damals bekannter Missionar wurde hier verspeist. Aber die Sache ist geklärt. Im Jahr 2009 nahmen die Nachkommen des Opfers eine offizielle Entschuldigung der Täter-Nachfahren entgegen. Wir sollten hier also sicher sein.

Kurz vor Sonnenuntergang erreicht uns ein Ausleger-Kanu. „Hi, ich bin David und der Betreiber des Yachtklubs vor Ort. Willkommen in meiner Bucht. Wenn ihr wollt, zeige ich euch morgen das Dorf. Kostet tausend Vatu pro Person.“
Wir schlagen ein.
Um die Abmachung zu besiegeln, wirft David einen Beutel Früchte aufs Deck. Erfreut von so viel pazifischer Gastfreundschaft, sammle ich Papaya und Passionsfrüchte aus dem Sack. Währenddessen möchte David von Achim eine Leine haben, um sein Kanu festzubinden. Ungefragt kommt er an Bord. Wie ein alter Schulfreund klettert er zu mir ins Cockpit. „Ich könnte Zucker oder Milch gebrauchen.“ Ich brauche einen Augenblick. Dann fällt der Groschen. Die Südseeromantik ist in Wahrheit ein Tauschgeschäft. Ich zahle artig mit einem Liter Milch.

David und unser Tauschgeschäft. Das härteste Zahlungsmittel auf Erromango: Milch!

Am nächsten Tag paddeln wir mit dem Aufblas-Kajak an Land. Ein Versorgungsschiff ist im Morgengrauen gekommen. Da es im Dorf keine Pier gibt, ist der Kahn direkt bis ans Ufer gefahren. Eine Landeklappe liegt am Strand und jeder einzelne Sack muss von Hand von Bord getragen werden.
Wir bahnen uns den Weg durch das geschäftige Treiben. David winkt uns schon von weitem und zeigt uns, wo wir anlanden können.

Mit zunehmender Ebbe liegt der Dampfer hinten auf. Nach dem Entladen muss auf Hochwasser gewartet werden.

Alle Männer des Dorfes scheinen auf den Beinen zu sein.

Der blaue Kasten enthält eine Batterie. Solarpanele gibt es reichlich. Jedoch keine Wasserleitungen. Zentrale Wasserhähne sind im Dorf verteilt.

Das Gelbe sind wieder die handlichen Reissäcke – 25 Kilo.

Er führt uns zu seinem Yachtclub. Ein kleines Betonhaus mit Veranda und herrlichem Ausblick auf die Bucht. Mit viel Aufwand hat er per Schiff den Zement aus der Hauptstadt liefern lassen. Da dies viel Geld kostet, zogen sich die Bauarbeiten über Jahre hin.
Seine zwei Gästebücher gehen bis ins Jahr 2014 zurück. Etliche Boote, die sich verewigt haben, kennen wir. Das ‚who is who‘ der Langfahrt-Szene.

Der Yachtklub – viele Länderflaggen und Einträge in seinen Büchern hat David in zwölf Jahren gesammelt.

Danach bekommen wir die versprochene Dorfführung. David führt uns zwei Stunden lang  zwischen den Hütten hindurch bis in die abgelegenen Gärten des Dorfes.  Wir nutzen die Gelegenheit, um Fragen über das Leben in einem Kastom-Dorf, einem traditionellen Dorf, zu stellen.

Die Wege zwischen den Hütten-Häusern. Pikobello. Hübsch mit Kies abgestreut.

Total gepflegte Reihenhaussiedlung.

David knackt uns eine Kokosnuss – die beste seit Jahren.

David erzählt, dass er unterhalb seines Yachtclubs Hochzeiten ausrichtet. Das ist eine bedeutsame Sache in Vanuatu. Eine Frau kostet mindestens ein Schwein, wenn ein Mann heiraten möchte. Der Preis hängt von der Form der Hauer des Ebers ab. Je runder die Zähne, desto wertvoller das Schwein. Wenn sich ein Paar gefunden hat, wird die Frau symbolisch geblockt. Nun hat der Bräutigam die oft jahrelange Arbeit, die nötigen Eber mit den entsprechenden Hauern heranzuzüchten.

Der Brautpreis ist eine stolze Tradition, steht in Vanuatu jedoch zunehmend unter Kritik. Frauenrechtsorganisationen beklagen, dass manche Männer das Gefühl entwickeln, sie hätten ihre Ehefrau gekauft. Der Vorwurf des Kaufens hat sicherlich einen wahren Kern. Mehrmals benutzt David das Wort ‚to buy‘ als er von den Schweinen erzählt, lacht Achim ins Gesicht und zeigt dabei verschmitzt auf mich.

Geduldig beantwortet er all unsere Fragen. Auf Englisch können wir uns verständigen, sprechen aber trotzdem nicht dieselbe Sprache. Bei einigen Fragen habe ich den Eindruck, David denkt, dass wir wirklich dumme Fragen stellen. Und vermutlich hat er recht.

Wir hätten die Wege auch alleine abwandern können. Durch den bezahlten Guide bekommt das Ganze wieder diesen ‚Museumsdorf-Charakter‘. Auf der anderen Seite wären uns Einblicke ins Kastom-Leben entgangen.
Unterschiedlicher können zwei Lebensläufe nicht sein. Wie seltsam wir ihm vorkommen müssen. Da segeln wir mit dem Boot aus einem Land, das er nur vom Fußball kennt, mitten in sein Dorf – während seine Leute noch nicht mal drüben beim Vulkan gewesen sind. Zu weit weg.

Junge Leute – immer das Handy dabei. Bei dem Thema ist kein Unterschied zwischen Dritter und Erster Welt mehr zu erkennen.

Starlink neben der Schule. Das traditionelle Kastom trifft auf modernste Technik. Wie mögen das die Kinder verarbeiten?

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