Entspurt-Marathon in Noumèa: Mehl-Mission und der Pony ist ab

Di.-Do., 05.+07.Mai 26, Neukaledonien/Nouméa, Tag 4.357-9

Sonntag geht es los. Wir verlassen Neukaledonien. Hübscher Südwind, vielleicht sogar mit einer Westkomponente, wird vorhergesagt.
Unser nächstes Ziel soll ‚Vanuatu‘ sein. Ein kleiner Inselstaat mit wenig Infrastruktur. Die Hauptstadt hat keine 60.000 Einwohner. Entsprechend groß ist meine Angst, dass wir dort verhungern werden.

Seit meiner Rückkehr schleppen wir täglich Vorräte aus dem Supermarkt. Das Schiff ist voll, wir haben gute Arbeit geleistet. Was noch fehlt, ist Vollkornmehl. Bislang sind wir im zwei Kilometer entfernten Bioladen gut bedient worden. Normale Supermärkte führen das nicht in ihrem Sortiment.

Neukaledonien ist ein Baguette-Königreich. Jeden Tag mögen wir es aber nicht essen.
Was anderes als Weißmehl soll her.

Pünktlich zur Mehlbeschaffung macht Achim schlapp. Irgendwas mit Magen-Darm plus Kopfschmerzen. Der Skipper muss das Schiff hüten. Alleine laufe ich zum Bioladen. Kein Mehl im Regal. Traurig schauen mich fünf Tüten – zweieinhalb Kilo – Dinkelkörner an. Hmm, nee, die möchte ich nicht. Vier Kilometer für nichts gelaufen.

Es gibt vier Bioläden in Nouméa, die man (also ich) gerade noch zu Fuß erreichen kann. Noch am gleichen Nachmittag mache ich mich auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Drei Kilometer einfache Strecke.
Auch dort leere Regale. Lieferung erst wieder Ende Mai, erzählt mir ein Mitarbeiter. Das deckt sich mit der Auskunft vom Vormittag und spricht dafür, dass Nouméa leer an Vollkornmehl sein dürfte. Sechs weitere Kilometer für die Katz.

Am nächsten Vormittag laufe ich erneut zum ersten Laden. Die Dinkelkörner möchte ich nun doch. Die Getreidemühle wird uns retten müssen. Vier Kilometer.

Am Nachmittag mache ich mich auf zur dritten Möglichkeit. Knapp vier Kilometer pro Strecke. :roll: Ja, wir essen gerne Brot …
Nach gut zwei Kilometern habe ich die Möglichkeit einen kleinen Schlenker zu machen für einen Laden, den ich noch nicht kenne. Lohnt sich der Umweg oder gleich zum bekannten Geschäft durchstarten?
Ich riskiere es. Tschaka! Drei Beutel à fünf Kilo stehen im Regal. Feinstes Bio-Vollkornmehl, direkt aus Frankreich importiert. Ich möchte alle drei. Fünfzehn Kilo kann ich unmöglich schleppen. Zunächst kaufe ich einen Sack. Still ruht die Hoffnung in mir, dass Achim mich beim zweiten Gang begleiten kann. Nein, kann er nicht, das Scheißerle.
Ich mache mich erneut alleine auf den Weg. Diesmal nehme ich zwei Säcke. Der Verkäufer guckt zumindest mitleidig und hilft beim Reißverschluss zuziehen vom Rucksack.
Acht steile Bergauf-Bergab-Kilometer, diesmal von Erfolg gekrönt.

Meine Beute nach über 20 Kilometer Fußmarsch an zwei Tagen. Plus 2,5 Kilo Dinkelkörner.

Da ich nicht wusste, dass ich einen Halbmarathon laufen muss, habe ich auch noch einen Friseurtermin vereinbart. Lächerliche drei Kilometer hin und zurück. Die kann ich aber gut mit einem letzten Besuch im Lieblings-Stoffladen verbinden.
Madame aus dem Salon spricht kein Englisch, wie ich beim Vereinbaren des Termins feststellen durfte. Ich bin vorbereitet: „Raccourcir la longueur totale de 8 à 10 centimètres. La frange doit garder sa longueur. – Gesamtlänge um 8 bis 10 Zentimeter kürzen. Der Pony soll seine Länge behalten.“

Einen Zettel mit diesen Instruktionen drücke ich der netten Friseurin in die Hand. Den Rest klären wir per Handzeichen. Sie macht das auch ganz gut. Ich will mich nicht beklagen. Nur der Teil mit dem Pony muss ihr durchgerutscht sein. Einmal mit Profis arbeiten. :mrgreen:
Mindestens ein halbes Jahr Pony-Züchtung sind mit einem Schnipp Geschichte. Vergiss das mit sorgfältiger Planung, am Ende hat die französische Friseurin ihren eigenen Kopf.

Allgemein ist eine gute Länge runter gekommen. Gestern war der Pony noch fast doppelt so lang. Jetzt hält er nicht mehr hinterm Ohr. Eine lange Durststrecke liegt hinter mir, um ihn dahin zu züchten.

 

Zurück zu den Kinderhaarspangen. Die Haare vor dem Gesicht machen mich verrückt.

 

Sonntag geht es los. Heute haben wir bereits ausklariert, da morgen ein Feiertag in Nouméa ist. Plötzlich kann Achim auch wieder das Schiff verlassen. Schau an.

Ganz früh auf dem Weg zur Immigration. Frühstück gibt es unterwegs. Für den angeschlagenen Achim ein trockenes Baguette. Ich bekomme ein feistet Mandel-Croissant. Fett und lecker, bestimmt zwölfhundert Kalorien.

Immigration, Zoll und Hafenmeister. Alle mit viel Papierkram beschäftigt. Vom digitalen Zeitalter ist man noch Meilen entfernt. Das Hafenbüro hat ab 1. Mai dieses Jahres zaghaft eingeführt, dass man dort nicht mehr persönlich vorstellig werden soll. Mailverkehr wurde eingeführt. Das klappt noch nicht, da keiner wusste, wie es funktionieren soll, wenn am nächsten Tag ein Feiertag ansteht. Sechs Kilometer hin und zurück.

Zum Glück habe ich neue Turnschuhe in Deutschland gekauft.

Blick von der Kathedrale auf die Marina.
Fast ein Jahr waren wir in Neukaledonien. Nur zehn Tage fehlen.
Eine schöne Zeit hatten wir hier!

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Ein wenig Sience Fiction und harte Strafen – Singapore ist anders

Mo., 20.04.2026; Singapore

Ich kapiere schnell, dass ich nicht gestrandet bin in Singapore, sondern die Chance auf ein All-inclusive-Upgrade bekommen habe. Ich verlasse das Hotel und mein Buffet. Gehe raus, in den geölten Wahnsinn von Singapore.

Erster Test: die Mass Rapid Transit (MRT) U-Bahn. Fazit: ein öffentliches Verkehrsmittel in Perfektion. Nur ein Tap mit der Kreditkarte beim Einsteigen. Erneutes Tappen beim Aussteigen. Die (günstigen) Tarife werden automatisch pro Tag berechnet. Kein endloses Studium des Aushangs der Tarife wie in Hamburg nötig.
Die Bahn kommt lautlos. Alle drei Minuten. Pünktlich. Sauber. Nirgends stinkt es nach Urin. Niemand benimmt sich verhaltensauffällig. Niemand isst oder trinkt in der Bahn. Niemand spricht überlaut in sein Handy. Ich traue mich kaum zu blinzeln. Man zahlt für alles eine Strafe. Kaugummi? Knast! Müll fallen lassen? Sozialstunden am Straßenrand im leuchtenden T-Shirt!

Ich steige aus am Canning Park. Ein aufgeräumter Park im Herzen der Großstadt. Ein nicht mehr so geheimer Influencer-Geheimtipp hat mich zum ‚Tree-Tunnel‘ geschickt. Man soll vor 8:30 Uhr da sein, um Warteschlangen zu vermeiden. Ich bin eine halbe Stunde zu früh. Trotzdem stehen die Fotografen sich schon die Beine in den Bauch.

Neue Influencer im Anmarsch

Warten, bis man an der Reihe ist

für dieses Motiv

Canning Park morgens um acht Uhr.

Durch den Park erreiche ich den ‚Clarke Quay‘. Abends ein beliebter Treffpunkt für Touristen und Einheimische, liegt das Viertel morgens noch menschenleer vor mir. Bunte Häuser, Restaurants, Bars – alles direkt am Wasser. Es wirkt wie eine Mischung aus Hafenfest und Instagram-Kulisse.
Hübsch anzusehen. Und hübsch teuer. Noch hat alles geschlossen, aber ein theoretischer ‚Singapore Sling‘ (wenn schon, denn schon … ) schlägt mit mindestens zwanzig Euro ein Loch ins Touristen-Budget. Die Gegend gefällt mir trotzdem.

Clarke Quay – riesige Regenschirme schützen die Gäste vor den fast täglichen Schauern.

Toll gemacht

Alleine in der Großstadt

Riverside – Clarke Quay
Noch zu früh für die Ausflugsboote.

Tai Chi in modern: mit Handy im Mikrofonständer.

Dann weiter. Wieder MRT. Ich steige in der Mitte der Orchard Road aus. Hier bin ich finanziell falsch abgebogen. Gucci, Prada, Rolex. Alle Edelmarken sind vertreten. Ich bewundere die Auslagen. Noch bevor ich ein Geschäft betrete, bläst mir kalte Luft entgegen – die Klimaanlage läuft schon draußen. Natürlich. Warum nicht gleich das gesamte Straßenklima regulieren? Schwüle dreißig Grad will kein Mensch.

In diesem Nike-Store beginnt die Klimaanlage schon draußen.
Kann man machen!

Die Shopping-Meile in der Stadt: Orchard Road. Sehr grün.

Von diesem ganzen Luxus zweigt eine Seitenstraße ab. Statt vor Glitzerfassaden stehe ich plötzlich vor pastellfarbenen Zuckerbäcker-Gebäuden. Die Häuser wurden um 1900 gebaut und gehören zur Peranakan-Kultur. Chinesische Einwanderer, die malaiische Bräuche angenommen hatten.

Harter Kontrast. Im Hintergrund die Hochhäuser der Orchard Road.

So war es früher: unten Handelshaus – oben Wohnhaus. Heute sind es Luxus-Unterkünfte.

Hausfassade Emerald Hill

 

Ich schlendere weiter Richtung Hotel. Suche nach etwas Bodenständigem. Nach einem Super- oder Baumarkt. Ich brauche Klebeband, um meinen Koffer zu flicken. Erst als ich fast mein Hotel erreicht habe, werde ich fündig. Ein Edel-Supermarkt. Mit importiertem Obst aus Japan. Fotografieren verboten. Ich mache es trotzdem. ;-) In der Hoffnung, dass es hierfür keine Strafe gibt.

Jeder Apfel gleicht dem anderen aufs Haar.
Je zwei Äpfel sind in Cellophan verpackt. Kostenpunkt 15,00 Euro, für beide. Ein echter Schnapper.

Verschämt in der äußersten Ecke gibt es zwei Regale mit Alltagsgegenständen. Klarsichtfolie ist das Beste, was ich für den Koffer finden kann. Zwanzig Meter Original-super-Folie aus Japan oder schnöde Folie aus Australien. Sechzig Meter für den gleichen Preis.

Zurück im Hotel dann der Beweis, dass Singapore sich bereits in der Zukunft befindet. Im Buffetraum gleitet ein kleiner Butler-Roboter zwischen den Tischen herum. Transportiert schmutzige Teller umher. Dreht sich elegant ab, ohne irgendwo anzustoßen. Ich staune ihn freundlich an. Er ignoriert mich. Roboter können auch pissnelkig sein.

Singapore wird regelmäßig zur saubersten und sichersten Großstadt der Welt gewählt. Seit den 70er Jahren wurden die Gesetzte und Strafen für Kriminalität, Vandalismus und Umweltverschmutzung ständig verschärft.
Wer Graffiti sprüht, darf sich auf Stockhiebe einstellen. Drei bis acht Schläge auf den nackten Hintern. Nieren und Gemächt werden mit Polstern vor Verletzungen geschützt. Frauen und Männer über 50 Jahre sind davon ausgenommen. Glück gehabt, bin ich doch vormittags einfach „so“ über die Straße gegangen, weil mir die Entfernung zur Fussgängerbrücke zu weit war. Verboten! Wusste ich nicht und habe satte 100,00 Euro Strafe riskiert. :mrgreen:

Ein Gewerbe mit Gewinngarantie – Verbots-Schild-Fabrikant in Singapore.

Im Park meint man es ernst: 1200 Euro Strafe für ’ne Kippe.

Kritiker sehen eine Menschenrechtsverletzung in der Prügelstrafe. Bei Fehlurteilen kann sie ebenso wenig wie die Todesstrafe zurückgenommen werden. Außerdem wird durch die vielen Ge- und Verbote die persönliche Freiheit der Einzelnen in ein enges Korsett gequetscht. Aber hey, auf einem nicht versifften Bahnhof Operationen am offenen Herzen vornehmen zu können, hat seinen Preis.

Singapore, Deine großen Sehenswürdigkeiten habe ich noch ausgelassen. Ich komme wieder. Nächstes Mal mit Achim und Atanga. Weil es zu zweit noch mehr Spaß macht.

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Gestrandet in Singapore

18. Apr. – 22. Apr. 2026; Deutschland/Singapore/Neukaledonien

„Ihr Flug SB741 von Singapore nach Nouméa am 19.04.2026 ist storniert. Danke für Ihr Verständnis.“

Wir haben Samstag, den 18.04.2026. Es ist 6:00 Uhr morgens und ich habe alles Mögliche, nur kein Verständnis für die lapidare SMS auf meinem Handy. Bestürzt starre ich auf die Nachricht. Was soll das? In vier Stunden startet mein Flug nach Istanbul. Von da aus geht es weiter nach Singapore und noch ein letzter Flug nach Nouméa. Zu Achim, zum Schiff zurück.

Ich erwische Achim per WhatsApp. Da mir die Zeit fehlt, weil ich noch meine Sachen zusammen grabbeln und zum Flughafen fahren muss, übernimmt er die Recherche.
Beim Einchecken am Flughafen erklärt mir der junge Mann, dass ich mir keine Sorgen machen muss, mein Flug findet statt. Eine Bordkarte bekomme ich allerdings nicht. Ich darf zwei Gepäckstücke mit jeweils 23 Kilo aufgeben. Der eine ist mit 23,7 knapp drüber. Dem jungen Mann ist es egal. Glück gehabt. Ich hatte Mecker befürchtet.

Ich gehe noch zum Türkish-Airlines-Schalter gegenüber. Die Dame weiß von nix. Der letzte Flug würde von Air Calin ausgeführt, da habe sie keinen Zugriff.
Als ich am Gate sitze, bekomme ich Infos von Achim am anderen Ende der Welt: „Air Calin hat nur vier Maschinen. Eine ist kaputt und seit Tagen fallen diverse Flüge aus, weil es keine Ersatzmaschine gibt.“

Mein Flug nach Istanbul dauert drei Stunden. Dort bekomme ich bei Türkish Airlines die gleiche Antwort wie in Hamburg. „Ich kann nicht sagen, ob der Flug stattfindet. Die Verantwortung läge außerdem bei Air Calin. Wir sind raus.“ Das stimmt so nicht, aber ich lasse dem Lackaffen seine Meinung.
Achim, mein Reisebüro in Nouméa, hat in der Zwischenzeit auf Hochtouren gearbeitet und versorgt mich mit Infos und einer Strategie: „In Singapore gibt es ‚Transitdesks‘. Da gehst du hin. Der nächste Flug nach Nouméa geht erst am Dienstag. Sag denen, dass du so lange nicht warten willst, und frage nach Flügen über Australien. Die Teams vom Transitdesk sollen super geschult sein, Leuten wie dir zu helfen.“

Am Sonntagvormittag Ortszeit lande ich in Singapore. Direkt am Gate-Ausgang steht ein dreiköpfiges Team mit ‚Nouméa-Schildern‘ in der Hand. Insgesamt 18 Leute sammeln sich mit dem gleichen Problem wie ich. Wir werden aufgeklärt, dass wir für Dienstag auf einen Flug nach Neukaledonien gebucht sind. Für Unterkunft, Essen und Transfer wird gesorgt.
Nach kurzer Bedenkzeit verwerfe ich die über-Australien-fliegen-Idee. Wie sich Tage später herausstellt, eine vortreffliche Entscheidung, denn ich wäre nur sechs Stunden früher in Nouméa angekommen. Und ich hätte den perfekten Service des dnata-Teams vom Flughafen Singapore verpasst.

Die drei Betreuer kleben jedem ihrer Schäfchen einen dnata-Aufkleber aufs Hemd. Dass bloß keiner verloren geht. Geduldig werden Fragen beantwortet, während wir auf unsere Koffer warten. Das zieht sich etwas hin, aber nach anderthalb Stunden ist das gesamte Gepäck endlich da. Mein schwarzer Koffer hat eine große Beschädigung. Eine Ecke ist aufgebrochen. Zwei Rollen funktionieren nicht mehr anständig.

Kaputter Koffer.

Das Team übergibt uns einem Busfahrer. Nach einer halben Stunde erreichen wir das reservierte Hotel. Dort sind wir schon gemeldet. Es erfolgen nur noch die Schlüsselübergabe und der Hinweis, dass wir drei Mahlzeiten im hoteleigenen Garten-Café einnehmen dürfen.

In was für einer Unterkunft sind wir bloß gelandet? Ich traue meinen Augen nicht. Das Orchard Hotel Singapore hat sagenhafte fünf Sterne. Das Zimmer ist geräumig und mit einem riesigen Bett ausgestattet. Alles da, was man braucht, selbst wenn der Koffer verloren gegangen sein sollte.

Aber der absolute Hammer ist das Buffet. Gerichte aus dem Wok für Chinesische Gaumen. Zehn verschiedene Currys machen Inder glücklich. Euro-Asiatische Küche vom Feinsten. Gebratenes, Gesottenes. Sushi und Salate. Ein unfassbares Angebot an Nachtischen. Das erste Mal in meinem Leben esse ich eine Jack Frucht und darf Durian (Stinkfrucht) Mousse probieren. Ein Blick ins Internet: Das Buffet kostet 60,00 Euro pro Person. Pro Mahlzeit.

Das Zimmer plus großem Bad. Ungefähr 270 Euro pro Nacht. Inklusive Frühstück.

Meeresfrüchte, Gemüse und Garnelen aus dem Wok, Sushi und tausend andere Köstlichkeiten.

Das ist keine Torte, sondern geschichtete Nachtisch-Cremes. Hier Schoko mit Lemon mit crunchy Bodem. Köstlich! Davon gab mindestens sechs Stück zur Auswahl. Plus Pudding, Mousse und Eis plus, plus, plus. Ich kann mein Glück nicht fassen.

Zwei Tage darf ich den Luxus genießen. Mache Sightseeing und Urlaub in Singapore. Dann geht leider, leider  :mrgreen: schon der Flug nach Nouméa. Das Hotel organisiert den Shuttle zum Flughafen. Morgens um sieben ist Abholung. Das Foyer ist rappelvoll. Alles hängengebliebene Air Calin Opfer. Drei Busse werden benötigt, um uns abzutransportieren.

Beim Einchecken werde ich gefragt, ob ich ein Rückflugticket habe. „Nein. Ich verlasse Neukaledonien mit einem Segelboot.“ „Haben Sie dafür ein Ticket?“ „Nein, es ist mein eigenes Boot.“ Die Dame am Schalter wird hektisch. Sie telefoniert wild umher, fragt ihre Kollegin am Nachbarschalter. Viel Palaver während ich mir fieberhaft überlege, wie ich das beweisen kann. Dann Entwarnung, sie checkt mich ein. Mein im Hotel ungeöffneter Koffer hat plötzlich ein Kilo mehr auf der Waage (ich bestimmt auch). Das winkt sie lässig durch.

Nur Gucci und Rolex in Hotelnähe. Das beste was ich in der Nobelstraße Orchard Road finden konnte: Frischhaltefolie zum Verbinden vom Koffer.

Zwei Flugzeuge werden diesen Morgen eingesetzt. Die ursprünglich fliegende Maschine von Air Calin und eine Boeing 777 von EuroAtlantic. Ich habe das Pech auf EuroAtlantic gebucht zu sein. Das ist eine portugiesische Fluggesellschaft, die darauf spezialisiert ist, ausgefallene Maschinen zu ersetzten.
Halleluja. Alle Maschinen sind bereits älter als 20 Jahre. Die Klimaanlage streut Eiswürfel aus. Zweite Decken werden gefordert. Glück für den, der früh danach fragt. Die Decken sind schnell aus. Die Auswahl der Filme beschränkt sich auf 8 (in Worten acht). Alle schon etwas älter. Aus dem gleichen Jahr wie die Filme stammen die Brötchen aus denen das Abendessen besteht. ;-)

Das schlechteste Flugzeug-Essen aller Zeiten. Auf dem großen Brötchen war Press-Rührei und eine Gurkenscheibe. Das Brot war pfurztrocken. Das kleine Brötchen war noch härter und kam ohne Butter. Nicht mal die übliche Stange Käse gab es dazu. Nach der Völlerei im Hotel der perfekte Kontrast. ;-)

Nach acht Stunden ist es überstanden. Mit zwei Stunden Verspätung lande ich endlich in Nouméa. Die Kofferausgabe zieht sich eine Stunde. Vor dem Zoll habe ich mit meinen 46 Kilo Kampfgewicht plus 11 Kilo Handgepäck etwas Angst. Einige Ersatzteile fürs Schiff könnten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber der Typ ist vollkommen gelangweilt. Er hat nichts zu tun. Alle Gäste strömen durch den Gang „nichts zu verzollen“.

Bleibt als letzte Hürde die Bio-Security. Ich habe wieder Angst. Habe auf dem Fragebogen brav angekreuzt, dass ich Nahrungsmittel dabei habe. Aber ich möchte keine Diskussionen über meine Nüsse, Schokolade und Kräuter führen. Dem Bio-Mann mit seinem Hund halte ich einen Opfer-Apfel und einen Müsli-Riegel unter die Nase. Den Apfel nimmt er, wie erwartet. Den Riegel darf ich behalten. Ich bin durch!

Noch eine Stunde Taxi, dann bin ich nach genau 98 Stunden wieder zu Hause. Das macht einen Schnitt von 163 km/h. Und ich dachte schon, dass der Hinweg mit 40 Stunden lang gewesen wäre. :mrgreen:

Da freut sich aber einer, dass ich wieder da bin. Schön!
Ich mich auch.

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„Me time“ für uns beide

Fast 12 Jahre zusammen auf 12 Metern. Daran haben wir uns längst gewöhnt. Im Grunde ist es eine 24/7 Dauerbeschallung mit den Marotten des Anderen. „Warum legt er leere Kekspackungen in den Schrank? Warum kann sie das Kabel nicht am Stecker aus der Dose ziehen?“ Gesprächsstoff, Zündstoff.

Die letzten fünf Jahre waren wir besonders eng beieinander. Die Zeit im Dachzelt. Und dann sind wir auch noch zusammen nach Deutschland geflogen. Weniger Freiraum geht nicht.
„Was ist diese moderne „me-time“? Wir wissen es nicht.

Damit ist Schluss. Ich bin recht kurzentschlossen für knapp vier Wochen in Deutschland. Achim hat das Boot ganz für sich und wehrt potentielle Zyklone ab (grade ist einer in gutem Abstand vorbeigezogen).

Ein Rentner auf Freigang sozusagen. Himmlische Ruhe vor weiblicher Organisation. Kein „Was machst du gerade? Mach doch mal etwas. Lies doch mal ein Buch.“ Achim hat jede Ecke nur für sich. Frühstück um halb zehn, Mittagessen um elf – essen, was er will, wann er will. Beziehungsweise, was er kochen kann. :mrgreen:
Werkzeug liegen lassen? Check! Die dazugehörige Späne ebenfalls. Check! Atanga ist nun meckerfreie Zone. Der Himmel auf Erden.
Er wird es genießen. Diese ultimative Freiheit.
Wie ich hörte, ist die Gitarre bereits in den Salon umgezogen, als ich noch in der Abflughalle saß. „Me-Time“ in Vollendung.

Ich mache in Hamburg, was in Hamburg gemacht werden muss. Freunde besuchen, ein neues Baby bestaunen, einen Toddler nicht wieder erkennen und ein paar Pflicht-Geschichten abarbeiten. Mein Rückgepäck von zweimal 23 Kilo soll nicht ungenutzt verfallen. Das Schiff ist wie immer hungrig.
Das wird meine „Ich-Zeit“. Inklusive Blogpause (ja, Freunde der Sonne, das Leben ist hart).

Den Rentner an Bord muss ich warnen: ich komme wieder. Gewöhn‘ Dich gar nicht erst an das Lodderleben. „Und dass mir die Späne verschwunden ist …“

Wie Achim sich freut.
Dass ich fahre oder, dass ich wieder komme.
Es darf spekuliert werden.

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Tasmanien – unser Fazit

9. Feb. – 11. März 2026; Australien/Tasmanien

Wer die Südinsel Neuseelands mag, wird Tasmanien lieben!
Vieles erinnert an die Nachbarinsel: Baumfarne, weiße Strände und knorrige Küstenwälder mit vom Wind gebeugten Bäumen. Tasmanien wird oft als die „wildere kleine Schwester“ der neuseeländischen Südinsel beschrieben.
Kaum zu glauben, der Westen Tasmaniens ist noch weniger besiedelt als das undurchdringliche Fjordland und die Catlins auf der Südinsel.

Das Wetter
31 Tage Tasmanien und wir haben es geschafft, dem Wetter aus dem Weg zu gehen. Normalerweise läuft das anders: Du kommst an die Westküste – Regen. Du willst wandern – Regen. Du willst spektakuläre Aussichten sehen – heute geschlossen wegen Nebel.
Und dann kommen wir: ein verregneter Nachmittag, ein verregneter Vormittag und der nasse Abschlusstag, der sowieso nicht mehr zählt.
Ich könnte behaupten, das sei gute Planung gewesen. ;-) Richtige Reisezeit, richtige Route. Nein, es war pures Glück, gegen jede Statistik.
Wir lieben Australien und Tasmanien hat uns scheinbar auch sehr gern.

Landschaft und Tiere
Tasmanien fehlen die schneebedeckten Alpen. Da hat Neuseeland die Nase vorn. Das macht Tasmanien mit seiner Tierdichte wieder weg. Der „Zoo ohne Zäune“ gegen Neuseeland, das Vogelparadies. Wobei es nur wenig Menschen geben dürfte, die jemals einen Kiwi zu Gesicht bekommen haben.

Bay of Fire.
Der Osten ist deutlich sanfter. Lieblicher.
Sogar das Meer ist hier zwei bis vier Grad wärmer. Eine Restströmung der Coral Sea aus dem großen Australien sorgt dafür.

Der wilde Westen.

Cradle Mountain

Der einsame Nordosten, der raue Westen und Cradle Mountain haben uns am besten gefallen.

Banksia in voller Blüte.

Verrückte Eukalyptusblüten. Ganze Straßenzüge waren rosa-rot von den abgefallenen Blüten.

Unsere Wunschliste an Tier-Sichtungen darf als abgearbeitet gelten. Wombats, Pinguine, Nasenigel und unzählige Kängurus in verschiedenen Größen. Vom Bus aus in Cradle Mountain konnten wir sogar eine ‚Tiger Snake‘ erhaschen. Der Besuch in der Auffangstation für den Tasmanischen Teufel war ein Highlight. Ihr Verhalten hat tatsächlich etwas Teuflisches. Die süßen roten Ohren sind nur zum Antäuschen.

Immer wieder Kängurus.

Die roten Ohren haben die Teufel, wenn sie sich aufregen oder sich abkühlen. Also eigentlich immer.

Ein verirrter Teufel im Camper.

Der Camper
Ich kann unseren Wagen gar nicht genug loben. Perfekt für zwei Erwachsene. Obwohl einer von uns Überlänge hat. Durch die integrierte Toilette gilt er als ‚self containted‘, man darf also überall damit campen. Die Toilette haben wir tatsächlich nicht benutzt. Wir haben darauf geachtet, dass alle Stellplätze über eine Toilette verfügen.
Hätten wir die Gelegenheit, noch einmal um das große Australien zu fahren, wäre das unsere Wahl. Die Kabine mit dem Tisch und Sitzbänken plus  Bett bietet einen idealen Rückzugsort bei schlechtem Wetter. Ein etwas anderer Schnack als das Dachzelt.

Das Auto innen. Due Verarbeitung ist nicht High-end-Qualität, aber alles da, was wir gebraucht haben.

Die Camper-Shell ist gut durchdacht.
Unsere Shell ist von ‚Pinguin‘, ein tasmanischer Hersteller. Nicht der teuerste, der solche Aubauten herstellt. Camper-Shells von anderen Anbietern gibt es auch zum Einklappen oder mit einem Pop-up-Dach.
Für die teuerste Varianten solcher Shells kann man 60.000 Euro kalkulieren. Plus Auto, versteht sich.

Ein kräftiger 4×4 bringt die Kiste überall hin. Für die Stadt ist die Kombination gut geeignet, weil der Wagen nicht länger ist als jeder normale SUV. Will man einen Tagesausflug unternehmen oder den Standort wechseln, so braucht man nur herumfliegende Kleinteile einzusammeln, die Schranktüren zu sichern und die Leiter einfahren. Kaum Aufwand.
Wir würden eine Markise und eine Außendusche anbauen. Und die Aufhängung der Leiter verändern. Die hängt nur an drei Bändern und sackt bei jedem Ein- und Aussteigen etwas nach unten.
Der Rest war perfekt.

Geländegängig

Unser Mietauto – zu gerne würden wir mit so einem Teil noch einmal um Australien fahren.

Die Kosten
Als wir uns für eine geländegängige Variante interessiert haben, waren wir überrascht. So ein 4×4-Camper ist teurer als die kleinen Hiace-Bully-Camper, in denen man alles umbauen muss und nicht stehen kann.
Aber gleichpreisig oder sogar günstiger als Camper in Sprinter-Transit-Größe. Je nach Ausstattung. Die haben häufig eine Klimaanlage. Darauf können wir gut verzichten.

Camper: 31 Tage – 3.908,00 Euro (mit Rundumsorglos-Versicherung, zweitem Fahrer und Übernahme am Feiertag)
Campingplätze: 663 Euro (5 mal haben wir kostenlos gestanden)
Diesel: 208 Euro (wir sind nur 1.800 Kilometer gefahren, Verbrauch: 12.7 Liter auf 100 km)
Eintritte: 199 Euro
Essen und Trinken: 669 Euro (wir haben uns fast zu 100 Prozent selbst verpflegt)
Sonstiges: 116 Euro (Taxi, Bus und ein paar Kleinigkeiten)

 

Tja, Neuseeland, bedank dich bei deiner Immigration. Das hättest du verdienen können. :mrgreen: Genau so eine Runde hatten wir auf der Südinsel geplant.
Wir senden an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Employee 50.496. Ohne diesen Mitarbeiter und eure Bürokratie hätten wir dieses Juwel nie erlebt. Danke!
Es hat uns ausgezeichnet gefallen. Abwechslungsreich, einfach zu befahren. Gute Campingplatzdichte, phantastische Nationalparks.
Ein wenig wie die Südinsel, nur mit Kängurus und Eukalyptus. Der Mix ist reizvoll.
Wir haben Ecken ausgelassen. Auch solche, die unter den Top fünf rangieren. Macht nichts, das gibt Raum, um noch einmal wiederzukommen.

Wer hätte gedacht, dass die kleine Karte unten in der Ecke unserer Landkarte von Australien noch eine Verwendung findet?

Unser kleiner Australien-Altar am Navi-Tisch. :lol:
Es ist nicht mehr zu leugnen, wir sind für immer und ewig Australien-Fans. Etliche Gespräche drehten sich bereits  um eine zweite Runde. Nur wie und wann ist noch nicht geklärt …
Man wird ja noch träumen dürfen.

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